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Im deutschen Reich · 1900-03-01 · Heft 3 (März 1900) · p. 121

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 3 (März 1900)
Article
Geschäftsbericht
Date
1900-03-01
Page
121 (sequence 9)
Language
German
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Geschäftsbericht. 121 Feststellung einer solchen Thatsache bedankt und eS lieber gesehen haben, eine kleine Strafe unter offenem Bekenntniß der begangenen That auf stch zu nehmen. Wir können mit viesem dem Herrn Grafen ausgestellten amtlichen Atteste uns gern bescheiden. Da dies der Grund der Freisprechung Pückler's war, mußte die Hoffnung, welche die Berliner antisemitischen Nachtreter des Grafen hegten, ebenfalls freigesprochen zu werden, natürlich täuschen. Daß die Redakteure der „Staatsbürger-Zeitung" und des „General- Anzeigers", welche in Berlin wegen Verbreitung der Pückler'schen Rede angeklagt worden sind, nicht müde wurden, über zweierlei Recht zu klagen und die Richter, die ihres Amtes gewaltet, zu begeifern, ist bei dem Rechtsbewußtsein, das diesen Leuten inne wohnt, erklärlich. Als nun aber wegen einer in Berlin von dem wahnbefangenen Grafen gehaltenen Rede die Staatsanwaltschaft gegen diesen und den Redakteur Wilberg von der „Staatsbürger-Zeitung" Anklage erhob und eine Freisprechung erfolgte, konnte diese deshalb nicht als eine Niederlage des Central-Vereins betrachtet werden, weil wir seit jener Begründung des Glogauer Urtheils davon Abstand genommen haben, gegen diesen Grafen Anträge zu stellen. Die Staatsanwaltschaft hatte es eben als ihre Pflich' angesehen, von Amtswegen gegen diese Leute vorzugehen. Auch Herr Graf Pückler scheint seine Zugkraft für antisemitische Radau-Freunde indessen schon verloren zu haben. Man muß, wenn möglich, zu noch kräftigeren Mitteln schreiten und so haben denn die „echt deutschen Männer", welche nur ihr Vaterland kennen und jede Verbindung mit dem Auslande, wie sie sie dem „internationalen Judenthum" vorwerfen, weit von sich weisen, bereits angekündigt, daß nächstens ein Hauptschauspiel gegeben werden solle, indem sie den W i e n e r „Ernest Schneids zu einer Vorstellung in einer antisemitischen Versammlung' in Berlin gewonnen haben. Die Absicht, diesen in Wien als „Ritualmord-Märchen-Verbreiter" verrufenen Reichsrathsabgeordneten zu einem einmaligen Auftreten in Berlin zu veranlassen, wurde in einem Flugblatt angekündigt, in welchem eine blutige Rede Schneider'» abgedruckt war. In Oesterreich waren die Blätter, welche diese Rede veröffentlicht hatten, beschlagnahmt worden; hier begleftete man die

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