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Im deutschen Reich · 1900-02-01 · Heft 2 (Februar 1900) · p. 108

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 2 (Februar 1900)
Article
Dokumente der Aufklärung [Rezension]
Date
1900-02-01
Page
108 (sequence 2)
Language
German
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108 3m deutschen Reich. SJaum garten (Rostock), Delitzsch (Leipzig), D i l l m a n n (Berlin), Ebers (Leipzig), Fleischer (Leipzig), G u i d i (Rom), Köhler (Erlangen), K a l k a r (Kopenhagen), De Lagarde (Göttingen), Merx (Heidelberg), Müller (Graz), Müller (Wien), N ö l d e ck e (Straßburg), N i e h m (Halle), Siegfried (Jena), Sommer (Königsberg), Stade (Gießen), Strack (Berlin), Wünsche (Dresden), Renan (Paris), R a e b i g e r (Breslau), S ch e r r (Zürich). Die einen geben ihren Protest in einer kurzen, zornathmenden Erklärung gegen die Lügner, die anderen wehren in ruhiger, wissenschaftlicher Erörterung jene Beschuldigung ab, und immer kehren dieselben Beweisgründe wieder: Das jüdische Gesetz verbietet den Mord allgemein und unbedingt, 1. Mos. 9,6, 2. Mos. 20,13; das jüdische Gesetz verbietet den Blutgenuß allgemein und unbedingt, 3. Mos. 17,12; in der nachbiblischen Gesetzgebung hat niemand, auch nicht der durch den Haß geschärfte Blick des Proselpten, irgend etwas zu finden vermocht, was zur Bestätigung jener Anklage auch nur entfernt dienen könnte. Eine besondere Hervorhebung verdienen die Gutachten von Delitzsch, ein Aufsatz von Köhler- Erlangen und von Strack, der später seine Ausführungen zu einer Abhandlung erweiterte. (Der Blutaberglaube bei Christen und Juden. Schriften des In^tltutum judaicura, Berlin Nr. 14. München 1891.) Don nicht geringerer Wichtigkeit ist der zweite Theil der überaus dankenswerthen Broschüre; er gewährt ein mehr historisches Interesse und ist als Quellenmaterial für eine wissenschaftliche Behandlung des Blutaberglaubens eine reiche Fundgrube. Obenan steht das Gutachten der theologischen Fakultät zu Leipzig vom 8. Mai 1714, welches schon in seinen ersten Sätzen der Anklage, daß die Juden aus religiösen Motiven Christenblut brauchen, die Spitze abbricht: „Ist diese dem Jüdischen Volck beygemeßene schwere Klage eine bis in das 13. Seclum nach Christi Gebührt unerhörte Sache, und würde mann, da mann doch sonst der Jüdischen Nation nichts geschencket, in Keinen einzigen Document dergleichen weder von denen Juden in gantz orient noch occident Bejahet finden. Warum sollten aber die Juden diese gantze Zeit über diese grausamkeit unterlaßen und erst nach diesem angefangen haben? Warum sollen Sie bey dem anfangenden WachSthum des auff ihren rum sich gleichsam auffrichtenden Christenthum, da die Eifersucht und Bitterkeit weit größer gewesen, dergleichen nicht gethan haben? Warum solten sie zu denen Zeiten deren Heydtnischen Kayser, da eS mit mehrerer Sicherheit ge-

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