Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1900)
- Article
- Dokumente der Aufklärung [Rezension]
- Date
- 1900-02-01
- Page
- 107 (sequence 1)
- Language
- German
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Bücherschau. 107 Dokumente zur Aufklärung. I. Die Blutbeschuldigung gegen die Juden. Stimmen christlicher Theologen, Orientalisten und Historiker. -Die Bullen der Päpste. Simon von Trient. Verlag von Dr. Bloch's „Österreichischen Wochenschrift", Wien. Als im Jahre 1882 der Tod eines ungarischen Mädchens, Esther Solymossi, und das räthselhaste Verschwinden ihres Leichnams die Blutbeschuldigung gegen die Juden zu neuem Leben erweckt hatte, als zu fürchten war, daß die erregte Leidenschaft der blindwüthigen, abergläubischen Menge sich in gewaltsamen Thaten Lust machen würde, da gebot den geistigen Führern des Judenthums die Pflicht der Ehre und der Selbsterhaltuna, den wissenschaftlichen und amtlichen Vertretern der christlichen Theologie ihr Wahrheitsdrang und ihre Nächstenliebe, jener gefährlichen Verleumdung mit dem ganzen Rüstzeug ihres Wissens entgegen zu treten. Eine Reihe von theologischen Fakultäten, von Bischöfen, von Professoren erließen, theils aus eigenem Antriebe, theils auf Anregung von Rabbinern, geharnischte Proteste, in denen sie die aus Bosheit und blindem Fanatismus hervorgegangene Ersindung, daß die Juden für die Zubereitung ihrer Osterkost das Blut von Christenkindern gebrauchten, entkräfteten und zerstörten, in denen sie nachwiesen, daß die mosaische Gesetzgebung und der Talmud weit entfernt, eine rituelle Verwendung von Menschenblut vorzuschreiben oder zu erlauben, diese Anwendung unbedingt ausschließen. Seit jener Zeit haben jene apologetischen Erklärungen sich noch vermehrt, ^sonders 1891 bei Gelegenheit des Kindesmordes von Korf.u und im vergangenen Jahre, als der Madchenmord von P o l n a von antisemitischen Zeitungen in Oesterreich und Deutschland wiederum zu nichtswürdiger Verhetzung auSgebeutet wurde. Es war ein glücklicher Gedanke des Verlages der „Oesterreichischen Wochenschrift", alle jene Stimmen christlicher Theologen und Historiker als Dokumente zur Aufklärung zu einem Bande zu vereinigen. Nicht weniger als sechs theologische Fakultäten: Amsterdam, Kopenhagen, Leyden, Utrecht, Upsala und Christiania, und mit ihnen die internationalen Orientalistenkongresse zu Leyden und Rom (1899) vertheidigen das verleumdete Judentum. Vier hohe kirchliche Würdenträger: Der Erzbischof von Lemberg, Fürstbischof K o p p , Kardinal Manning, Bischof Reinkens in Bonn treten für des Judenthum in die Schranken. Ihnen folgen 22 Professoren, Gelehrte von Ansehen und Weltruf, die aus der Fülle ihrer wissenschaftlichen Erkenntniß jene aus Niedertracht und Unwiffenheit geborene Anklage zurückweisen. Wir finden unter ihnen: