Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1900)
- Article
- Dokumente der Aufklärung [Rezension]
- Date
- 1900-02-01
- Page
- 109 (sequence 3)
- Language
- German
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Vücherschau. 109 schehen können, solches unpractieiret gelassen haben?" u. s. w. Das Gutachten giebt eine Darstellung des Ursprungs jener Beschuldigung und eine Uebersicht der Päpste, Fürsten und Gelehrten, die für das bedrängte, an Leben und Gut bedrohte Judenthum eingetreten stnd, und endlich eine eigene Widerlegung auf Grund von Thora und Talmud. Angefügt sind die Erklärungen des Franziskus Haselbaum e societate Jesu 1736, von Franz Monitor, Paulus Burgensis (erst Rabbiner, dann katholischer Bischof von Durgos in Spanien). Johannes Pfefferkorn, Aloysius Sonnenfels (1753) u. a., und schließlich die Bullen der Päpste: Jnnocenz' IV. 1247 und 1253, Gregors X. 1272 („wer die Juden fernerhin wegen eines derartigen frivolen Anlasses belästigt, soll mit der Exkommunikation bestraft werden"), Paul's IN. 1540 („jene Beschuldigung ist von Verblendeten erdichtet, damit sie die Güter der Juden mit einem gewissen Schein von Recht sich zueignen können"). Diese Aktenstücke werden in lateinischem und deutschem Text gegeben; besonders dankenswerth ist hier die jedesmalige Quellenangabe, um so mehr, als die Texte nicht ganz ftei von Fehlern sind. Den Schluß des Buches bildet die Geschichte des Simon von Trient, ein Artikel aus Bloch's „Oesterreichischer Wochenschrift". Auch wem diese Tragödie aus der mittelalterlichen Geschichte der Juden nichts Neues bietet, der wird die Darstellung nicht ohne schauderndes Mitgefühl lesen. Die völlige Unschuld des Märtyrers Samuel und seiner Leidensgefährten, die Monate lang auf eine bloße Beschuldigung hin gefoltert und schließlich verbrannt wurden, wird aus den Quellen erwiesen. Von allen diesen Dokumenten müßte schließlich auch der blödeste Verstand überzeugt werden; aber leider nicht nur mit der Dummheit, auch mit der Bosheit kämpfen Götter selbst vergebens. II. Die Artikel der „Oesterreichischen Wochenschrift" über den Blutaberglauben. Sonderabdruck aus der „Oesterreichischen Wochenschrift". 2. Auflage. Wien. Die zweite Broschüre bietet eine Anzahl von Artikeln, zumeist aus dem Jahre 1891, die fammtlich den Blutaberglauben nach seiner psychologischen und kulturellen Seite behandeln. Weitausgreifende und gründliche Forschungen wird niemand in Zeitungsaufsätzen, die für den Tag und seine Bedürfnisse geschrieben sind, suchen. ES genügt, wenn sie Zusammentragen und in ansprechender Form darstellen, waS die gelehrte Untersuchung an's Licht gebracht hat. Ob es nöthig war, gerade diese Aufsätze von neuem zu veröffentlichen, steht dahin; wer sich wissenschaftlich heute über die Blutlüge