Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1900)
- Article
- Dr. W. Giese [Rezension]
- Date
- 1900-02-01
- Page
- 105 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücherschau. 106 Auch da kann daS geistig anspruchslosere Volk das höher geartete verdrängen und die geistige Anspruchslosigkeit nenne ich eben Minderwertigkeit." (S. 21.) „Von einem vollwertigen Menschen verlangen wir normales Auffasiungsvermögen, normales Unterscheidungs- und Urtheilsvermögen und endlich normales Gemüthsleben und geistiges Empfinden. In allen drei Richtungen ist die Begabung des Juden minderwertig." (S. 22.) Als guter Mathematiker — für einen solchen scheint er sich ja nach seinen Ausführungen auf Seite 25 zu halten — müßte Dnfaffer wohl wissen, daß es Brauch ist, die Behauptungen erst zu beweisen, aus denen Folgerungen gezogen werden sollen. Keine Spur irgend eines Beweises! Hat er das etwa von den Juden gelernt? . AuS dem mangelhaften Auffasiungsvermögen soll sich die Unfähigkeit des Juden ergeben, reallogisch zu denken; aus dem Mangel an Urtheils- und Unterscheidungsvermögen wird die Unfähigkeit gefolgert, den Satz zu begreifen: Was du nicht willst, daß man dir thu, das füg' auch keinem andern zu. „Als Folge der Gemüthsarmuth endlich ergiebt sich die Unfähigkeit, unsere arische Auffaffung von der sozialen Bedeutung der Berussthätigkeit, davon, daß die Arbeit adelt, zu begreifen, jene Auffaffung, durch die sich der einzelne mit allem, was er beginnt, in den Dienst der Gesammtheit stellt." Diese Folgerungen sind von Juden und vorurtheilösreien Christen oft genug widerlegt worden und werden dadurch nicht wahr, daß sie immer von neuem behauptet werden. Natürlich sind nach des Verfaffers Meinung alle vorurtheilsfreien Christen nur Judenschützer, die nur das Vorbringen, „was ihnen von den Juoen selbst eingeblasen wird"; und da verlohnt es sich ja nicht der Mühe, auf deren Ausführungen einzugehen. Daß die behauptete geistige Minderwertigkeit des Juden nicht allgemeiner begriffen wird, liegt — so meint Herr Giese — vor allem daran, daß man sich „von seiner geistigen Anatomie keine Vorstellung machen" kann, „wenigstens bei oberflächlicher Betrachtung nicht". Hierdurch soll es dem Juden möglich werden, „seine Mmderwerthigkeit zu maskieren." Für diese Maskierung ffoll ihm auch sein „hervorragendes Nachahmungs- And Aneignungsvermögen" zu statten kommen. „Ihre Erfolge in den gelehrten Berufsarten verdanken sie ausschließlich ihrem Aneignungsvermögen". „Wenn sie sich auf das Gebiet der eigenen „Forschung" verirren, so wird es danach." Obwohl Verfaffer im vollen Brusttöne ausruft: „EL ist nicht deutsche Art, leichtfertig über andere abzuurtheilen und gar anderen die Vollwerthigkeit abzusprechen; am allerwenigsten ist es meine Art" (©. 39) 8