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Im deutschen Reich · 1900-02-01 · Heft 2 (Februar 1900) · p. 106

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 2 (Februar 1900)
Article
Dr. W. Giese [Rezension]
Date
1900-02-01
Page
106 (sequence 3)
Language
German
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106 Zm deutschen Reich. — so entblöbet er sich doch nicht, keinen besseren Beweis für den behaupteten Mißerfolg auf dem Gebiete der Forschung zu liefern, als daß die Art von Mathematik, die anfangs der siebziger Jahre an der Berliner Universität gelehrt wurde, seine Unlust und seinen Spott zugleich erregt habe. „Heute würde ich sie nach ihrer Eigenart und der Abstammung ihrer Träger Lalmudische Mathematik nennen." (S. 25.) Herr Giese denlt dabei offenbar an keinen geringeren als an den Profeffor Leopold Kroneker, der seit 1861 ordentliches Mitglied der Akademie der Wiffenschaften war. Die Berdienste dieses Mannes um die Mathematik sind zu bekannt, als daß eS nöthig märe, ihn gegen Herrn Giese zu vertheidigen. Als weitere „unerfreuliche Eigenschaften" der Juden, die sich sämmtlich aus der niederen geistigen Artung leicht erklären laffen sollen, werden genannt: die physische, künstlerische und besonders schriftstellerische Schamlosigkeit, ferner die freche Beharrlichkeit (Dreyfus- Nummel), Neklamesucht rc. In dem Kapitel von der Neklamesucht (S. 29) passiert dem Verfasser ein kleines Mißgeschick. Er tadelt es, daß der Hamburger Prediger Leimdörfer die verstorbene Frau Embden, die Schwester Heinrich Heine'S, als „echt deutsche Frau" gepriesen habe, und fügt hinzu: „Es ist nöthig, deutsche Männer, die sich soweit vergeffen, mit Namen zu nennen und sie der öffentlichen Nerurtheilung durch ihre Stammesgenossen preiszugeben." Wir. können Herrn Giese mittheilen, daß Herr Leimdörfer ein sehr bekannter jüdischer Prediger einer Hamburger Gemeinde ist. Welche Ironie des Schicksals! Seine Ueberzeugung von der geistigen Minderwerthigkeit der jüdischen Raffe will sich Berfaffer hauptsächlich durch seine „Beschäftigung mit den kindischen Faseleien" der jüdischen Preßliteraten gebildet haben. Während alle anderen Antisemiten die „besondere Art" der jüdischen Polemik als Ausfluß „ganz besonders raffinierter Verschlagenheit und Derdrehungskunst" ansehen, betrachtet sie Verfaffer im Gegentheil „nur noch als einen Ausfluß angeborener jüdischer Beschränktheit". Nun, das mögen die Herren unter sich abmachen! In diesem Tone geht es viele Seiten fort. Plötzlich, nachdem er mit besonderer Wuth den Kraftausdruck „Kulturschmarotzer" gebraucht hat, findet er es für nöthig, sich zu entschuldigen^ „Einem Volke, das sich so maßlos zu überheben gewöhnt ist, wird man wohl den Spiegel Vorhalten dürfen, ja, durch seine Ausschreitungen würden sogar Uebertreibungen nach der anderen Seite hin entschuldigt sein. Ich hoffe aber, daß ich m solche nicht verfallen bin." (S. 36.) 8w.

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