Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1900)
- Article
- Berlin
- Date
- 1900-02-01
- Page
- 89 (sequence 4)
- Language
- German
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Aorresxondenzen. 89 den wir durchaus mißbilligen, benutzt." -- Der „Vorwärts" bemerkt zu dieser Erklärung: „S eltsame Kühnheit eines Annonce n-Acquisiteurs!" Die „TäglicheRundschau" schreibt: „P a l ä st i n a i n D e u Ls chl a n d". Unter dieser Spitzmarke brachte kürzlich die „Deutsche Tageszeitung" einen Bericht aus Memel, wonach ein Schuhmach e r m e i st e r G ö tz in einer öffentlichen Anzeige erklärte, daß er am „Sabbath" feiere, dagegen am „ersten Tag der Woche" (Sonntag) arbeiten laffe. Der Bericht ging von der Annahme aus, daß Götz Jude sei und seine Religionsvorschriften gegen das Gesetz zur Geltung bringen wolle. Wir hatten diesen Bericht in der gleichen Annahme übernommen. Durch eine Zuschrift von anderer Seite werden wir nun darauf aufmerksam gemacht, daß es stch augenscheinlich um einen Anhänger der sehr rührigen christlichen Sekte der Adventisten handelt, die besonderen Werth auf die Heiligung des „Sabbaths" (Sonnabend) als des von dem Herrn selbst eingesetzten Ruhetages legen. Die Anhänger dieser Sekte nennen daher mit besonderer Betonung den Sonntag den e r st e n Tag der Woche, der als solcher nicht als Feiertag gelten könne. Es handelt sich also hiernach nicht um eine jüdische Anmaßung, sondern eine christliche Schwarmgeisterei. die allerdings in ihrer Abweichung von Landesgesetz und Sitte nicht minder bedauerlich ist."— Wie uns aus Memel berichtet wurde, stammt Götz aus Bayern; er war erst Katholik, dann Baptist und schloß sich später auf kurze Zeit auch der Heilsarmee an. In Memel hat man auf sein Inserat nicht das geringste Gewicht gelegt. Unter der Ueberschrift „Blinder Lärm" berichtet die „Volks-Ztg.": „Die „Kreuz-Ztg." hatte vor kurzem den Geschästsneid christlich-teutonischer Antisemitenfirmen durch die Mittheilung in hohem Grade .aufgehetzt, daß die Lieferung von Vorhängen, Läufern rc. für den neuen Dom am Lustgarten an eine „jüdische Firma" vergeben worden sei. Jetzt ist das für konfessionelle Teppiche schwärmende Blatt zu der Berichtigung gcnöthigt, daß eine derartige Vergebung überhaupt noch nicht stattgefunden hat. Hello!" Magdeburg, 11. Februar. Ueber die am 8. d. Mts. hier im ,^ofjäger" veranstaltete „Pückler-Dersammlung" berichtet der hiesige „General-Anzeiger": „Graf Pückler führte aus, besonders in Magdeburg sei die Judenfrage eine sehr ernste, denn die Semiten begännen die Christen aus Besitz und Stadt zu vertreiben. Nur die Eroberung Magdeburgs durch Tilly könne mit der furchtbaren Gefahr verglichen werden, welche Magdeburg jetzt seitens des internationalen 7