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Im deutschen Reich · 1900-02-01 · Heft 2 (Februar 1900) · p. 87

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 2 (Februar 1900)
Article
Berlin
Date
1900-02-01
Page
87 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 87 düng des im Hetzen unermüdlichen antisemitischen Wiener „Deutschen Volksblattes" als sensationelle Neuheit weiter verbreitet wird. Das Organ der bekannten Aufwiegler Bergani und Schneider hat nämlich am 4. d. Mts. einen Aufruf zu Geldsammlungen veröffentlicht, der angeblich von der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" an hervorragende Glaubensgenossen versandt wird. In diesem Aufruf. findet fich u. a. die blödsinnige Behauptung, „daß die deutschen Juden gelegentlich des Xanten er Prozesses zu Abwehrzwecken einen Fonds von 2 Millionen Mark aufgebracht hätten". Daß die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" einen solchen Unsinn enthaltenden Aufruf nicht erlaffen haben konnte, stand von vornherein fest, ebenso, daß hier wieder ein antisemitisches Machwerk zu Hetzzwecken vorlag, deffen Ausbeutung sich die deutschen Gesinnungsgenoffen der Wiener Judenfeinde angelegen sein lassen würden. Deshalb war es uns willkommen, daß uns ein eifriges Mitglied des Central-Vereins ein Exemplar des folgenden Rundschreibens übermittelte: Zur Warnung unserer Glaubensgenossen! Das „Deutsche Volksblatr" veröffentlicht in seiner heutigen Sonntagsnummer unter der Ueberschrift: „Millionen für — Hülsner" einen Aufruf zu Geldsammlungen, der angeblich von der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" an hervorragende Juden versendet wird. Ein solcher Aufruf ist von uns niemals beschlossen, an niemanden versendet, noch sonstwie zu Geldsammlungen, benutzt worden. Da es sich hier offenbar um einen mit dem Namen der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" getriebenen plumpen Mistbrauch handelt, warnen wir unsere Glaubensgenossen hiermit ausdrücklich, sich auf Grund dieses Schriftstückes Geld herauslocken zu lassen und bitten dringendst, jedermann, der mit einem solchen Ansinnen an sie herantreten sollte, sofort polizeilich festnehmcn zu lassen. Wien, am 4. Februar 1900. Ter Vorstand der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union". Trotzdem jeder vernünftige Mensch sich sagen mußte, daß der Artikel de- Wiener „Deutschen Dolksblattes" nur ein antisemitisches Machwerk sei, um später eine etwaige Freisprechung Hülsner's als tin durch riesige Bestechungen erzieltes jüdisches Manöver hinstellen zu können, hat auch die „Staatsbürger-Ztg." sich den Anschein gegeben, an die Echtheit des gefälschten Aufrufs und an den nur in der Phantasie der Antisemiten existirenden „Buschhof-Fonds" ernst-

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