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Im deutschen Reich · 1900-02-01 · Heft 2 (Februar 1900) · p. 86

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 2 (Februar 1900)
Article
Berlin
Date
1900-02-01
Page
86 (sequence 1)
Language
German
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86 Korrespondenzen. 03 Berlin, 20. Februar. Nach den vom Königlichen Statistischen Bureau bearbeiteten Mittheilungen aus der Verwaltung der direkten Steuern im preußischen Staate ist das Gerede der Antisemiten über dasjüdischeGroßkapital vollständig grundlos. Die amtlichen Tabellen ergeben, daß sich unter den 11 Personen ln Preußen, welche über 30 Millionen Vermögen besitzen, ein einziger Jude befindet, nämlich Freiherr von Rothschild in Frankfurt a. M. Von diesen reichsten 11 Personen leben 4 in Schlesien, 1 in Westfalen^ je 2 in Berlin, je 2 in Hessen-Nassau und im Rheinland. Unter den nächsten 136 Millionären im Regierungsbezirk Potsdam befindet sich kaum ein Jude und unter den in den Regierungsbezirken Magdeburg, Düsieldorf und Köln vertretenen Millionären sind sicher nur sehr wenige Juden. Die großen Reichthümer der Juden gehören thatsächlich der fruchtbaren Fabeldichtung der Antisemiten an. In der Budget-Kommission des deutschen Reichstages drückte das Zentrums-Mitglied, Abg. Dr. LingenS, den Wunsch aus, daß den jüdischen Soldaten die Ausübung ihrer religiösen Bedürfnisse ermöglicht werde. Der Kriegsminister von G o ß l e r antwortete, daß schon heute die Juden möglichst an ihren Feiertagen vom Dienste dispensiert werden. Während des Manövers aber sei das nicht möglich. Als Dr. LingenS nochmals auf diese Sache zurückkam, um dem Wunsche Ausdruck zu geben, daß die jüdischen Soldaten mindestens monatlich zum Gottesdienste kommandiert würden, entgegnete der Minister, es ständen in der ganzen Armee nur etwa 1000 Juden, für welche es nicht nöthig erscheine, besondere Einrichtungen zu treffen. In einer späteren Sitzung derselben Kommission drückte der Abg. Eickhoff die Meinung aus, daß der Mangel an Militärärztenvielleicht mit konfessionellen Rücksichten Zusammenhänge. Er wünsche zu wissen, wie viele jüdische Militärärzte eS gebe. Major Wandel erklärte, nichts von konfessionellen Rücksichten zu wissen. In der Armee gebe es zwei (!). jüdische Aerzte, einen Generalarzt und einen Stabsarzt. Unter der Ueberschrift: „Millionen für Hülsner! Einleitung einer Sammlung für den jüdischen Meuchelmörder Leopold Hülsner" brachte der „Deutsche General-Anzeiger" Sedlatzel'S am 7. Februar einen Leitartikel, in welchem eine neue Erfin-

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