Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-02-01
- Page
- 82 (sequence 7)
- Language
- German
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82 Im deutschen Reich. Partei eine ähnliche Stellung erringen kann, wie im Jahre 1693 bei der Auflösung des Reichstages und» bei der Entscheidung über die Militärvorlage. Wohlvorbereitet auf alle Fälle soll und muß uns die Entscheidung finden." Dabei giebt es fast keine einzige politische Partei, an der sich die anarchistisch gestimmten antisemitischen Agitatoren nicht reiben, wenn sie dadurch derselben Anhänger abspenstig zu machen hoffen. Selbst der „Bund der Landwirthe", der sich antisemitisch genug gebärdete, hat dies erfahren, als kürzlich der ReichstagSabgeordnete Bindewald von der deutschsozialen Reformpartei in einer Versammlung im Kreise Flatow die Frage verneinte, ob der Bund der Landwirthe auch die Bauern in den Armen-, Wege- und Schullasten gegen den Großgrundbesitz vertrete. Die „Konservative Korrespondenz" ist durch die Reden, welche die Staatsbürger- Zeitungs-Antisemiten B r u h n und Bindewald im Kreise Flatow kürzlich gehalten haben, etwas spät aber endlich doch zu der Erkenntniß gelangt,, daß „der demokratische Flügel der Antisemiten bisher den Bund der Landwirthe nur als Vorspann benutzt und gesucht hat, zwischen ihm und den Konservativen Zwietracht zu erregen." Das konservative Organ fügt hinzu: „Die Bauern davon zu überzeugen, daß nicht Verhetzung in demokratischer Manier, sondern positive treue Arbeit für sie das Beste ist, wird nicht schwer sein. Die Herren Bindewald und Bruhn aber reihen sich denjenigen ihrer Parteifreunde würdig an, die bisher schon der Sozialdemokratie schätzenswerthe Vorarbeit geleistet haben." Bei diesem Kurse hat der politisch geschulte langjährige Führer der deutschsozialen Reformer, Liebermann vonSonnenberg, gemeint, nicht länger der Lotse der mehr und mehr in das anarchistische Fahrwaffer gerathenden antisemitischen Partei sein zu dürfen. Von ihm gilt Schillert Wort: „Er wußte nie zu enden; diesmal weiß er's; er weiß zu geh'rr, wo keine Ehre mehr zu holen ist." Ueber die Gründe, welche ihn veranlaßten, aus der Leitung der Reformpartei auszutreten, erklärte er in den „Deutsch-Sozialen Blatjsrn": „Ich wäre nicht im Stande gewesen, das Mandat zur Ausführung zu bringen, das ich nach meiner Auffassung auf dem Hamburger Parteitage erhalten habe, nämlich: unter voller Wahrung der Selbstständigkeit unserer Partei die Wiederherstellung eines friedlichen Verhältnisses zwischen unS und den verwandten Parteien und Richtungen anzubahnen." Wenn er schließlich der Hoffnung Ausdruck verleiht, „daß die gegenwärtige Krisis nicht zur Auflösung, sondern zur Genesung der Partei führen wird", so ist dies wohl nur eine hübsche Phrase; er hat zu den jetzt in derselben vorherrschenden Schwarmgeistern