Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1900)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1900-02-01
- Page
- 64 (sequence 8)
- Language
- German
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64 Im deutschen Reich. nur seinen Wählern Rechenschaft schuldig. Endlich werde er die Angriffe, welche die Anklagebehörde theils offen, theiltz versteckt gegen seine Person gerichtet habe, mit Stillschweigen übergehen. Der Raum des Schwurgerichts war ein sehr beschränkter. So füllten denn die Menschen nicht nur diesen, sondern auch die Treppen und den Schloßhof davor, so riesig groß er ist, Kop on Kopf. In diesem inneren Schloßhofe stand ein Bataillon Infanterie unter den Waffen. Bangend harrten die Tausende und Abertausende den trüben Wintcrtag hindurch bis tief in den Abend hinein. Da wehte aus einem der Fenster oben ein weißes Tuch, und ein Donner gleich der Brandung des sturmgepeitschten Meeres durchdröhnte wieder und wieder die Nacht. Jacobp war freigesprochen. Die Bürgerschaft illuminierte. Scklimmer als im übrigen Preußen und in ganz Deutschland hauste die Reaktion in Königsberg, wo der Ulanenoberst von Plewe eine schier unerträgliche Herrschaft ausübte. Von I a c o b y ' s politischen Freunden verließ mancher die Stadt; er selbst blieb. Da in dieser schweren Zeit jede politische Belhätigung ausgeschloffen war, so nützte sie Iacobi), um durch Vorträge und Schriften über literarische und philosophische Gegenstände erziehend zu wirken. Zwei dieser Vorträge sind besonders heroorzuheben: Zunächst seine Festrede über Schiller, die er an deffen hundertstem Geburtstage in dem Königsberger Handwerkerverein hielt. Er feiert darin ebenso gedankenreich wie warmherzig Schiller als Dichter, als Kämpfer für Freiheit und Menschenwürde, als Prophet des deutschen Volkes und als Werkmeister der von ihm prophezeiten Zukunft. Er zählt ihn mit Aeschylos und Shakespeare zu den größten dramatischen Dichtem aller Zeiten und Völker und schließt, einen Vers Schiller'» anwendend: ,Lst des Dichters Preis die schönste Krone der That, so ist die That, die er erzeugt, de» Dichters schönste Krone." Femer: „ß eff in g, der Philosoph". Diese Abhandlung bildete zunächst einen Abschnitt in der Biographie Lessing'« von Adolf Stahr und erschim dann 1663 als gesonderte Schrift. Johann Jacoby verbreitet darin zum ersten Male völlige Klarheit über Lessing's philosophischen Bildungsgang durch Leibniz und Spinoza hindurch. Spinoza erklärte Religionsvorurtheile für die Quelle mmschlicher Knechtschaft;