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Im deutschen Reich · 1900-02-01 · Heft 2 (Februar 1900) · p. 65

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 2 (Februar 1900)
Article
Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
Date
1900-02-01
Page
65 (sequence 9)
Language
German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. es vernünftige Gottesliebe, das heißt der Weltgemeinsinn, werde uns frei machen. Und ebenso lehrt Lessing als letztes Ergebniß seiner philosophischen Erkenntniß: „Sie wird gewiß kommen, die Zeit eines neuen ewigen Evangelium8." Dieses neue Evangelium Lessing's ist aber in Uebereinstimmung mit Kant das edle freie Menschenthum. Dieses Evangelzu erfüllen, soweit es in seinen Kräften stand, erschien . >.h a n n Jacobp wieder in dem öffentlichen Leben, als die sogenannte „neue Aera" anbrach. Indem er, die Grundsätze der preußischen Demokratie vor einer Versammlung der Königsberger Urwähler erläuternd, einen Rückblick auf die Ereigniffe von 1848 und 1849 warf, behauptete er, daß nur die Regierungsform des Absolutismus endgiltig beseitigt sei Alle freisinnigen Parteien hätten gefehlt, und der einzige Gewinn sei deren politische Schulung. Ein Mandat für die Kammer lehnte er jedoch zweimal ab und nahm ein solches erst an, als er trotzdem von dem zweiten Berliner Wahlkreise abermals gewählt wurde. Es geschah nicht aus Inkonsequenz, denn einer solchen war Iacoby nicht fähig, sondern in der Hoffnung, daß die harte Rothwendigkeit das Mark der Opposition stärken würde. War doch mittlerweile zwischen dieser und dem Ministerium Bismarck der Konflikt wegen der Militär-Organisation ausgebrochen. In einer gewaltigen Rede sprach I a c o b y am 13. November 1863 vor seinen Wählern über den schwebenden Verfassungskamps und dessen voraussichtliche Entscheidung. Er führte aus, daß der Militär- und Junkerstaat Preußen untergehen müsse, solle Preußen als Rechtsstaat erstehen. Aber die Linke hätte alle Mittel, welche die Verfassung der Kammer gebe, erschöpft. Als es in dem Abgeordnetenhause zur Abstimmung kam, dem Ministerium Bismarck den Etat zu verweigern, blieb aber I a c o b y in der winzigen Minderheit, und die Gerichte verurtheilten ihn in beiden Instanzen wegen Majestätsbeleidigung und Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Steuergesetze zu 6 Monaten Gefängniß. Und hier lassen Sie mich eine kleine Episode einflechten, welche da» Herz des anscheinend so starren Politikers enthüllt! Für die politischen Sünder dienten damals die ehemaligen Kastenzimmer des Jnquisitorials in Königsberg zum Gefängniß. Während dort Jacoby in dem einen Zimmer seine FreiheitS-

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