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Im deutschen Reich · 1900-02-01 · Heft 2 (Februar 1900) · p. 62

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 2 (Februar 1900)
Article
Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
Date
1900-02-01
Page
62 (sequence 6)
Language
German
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62 Im deutschen Reich. Wiederum wurde gegen Jacoby Anklage auf Majestätsbeleidigung und frechen unehrerbictigen Tadel der Landesgesctze erhoben, und wieder ward er in erster Instanz zu zweieinhalb Jahren Festungsstrafe verurtheilt, aber in zweiter Instanz freigesprochen. Schon aber vernahm man den Donnergang der Lawinen, die durch den Sonderbundskrieg in der Schweiz in Fluß gerathen waren. In Paris, Wien, Berlin kämpften Bürger und Proletarier Schulter an Schulter, und es erfüllte sich die Prophezeiung Börne'ü, daß in Frankfurt am Main das deutsche Parlament tagen werde. Johann Jacoby gehörte zu den Vertrauensmännern der deutschen Nation, die dort zunächst in einem Vorparlament zusammentraten. Schon hier fand er Gelegenheit, seinen Standpunkt zu markieren; hier, wie am 5. Juni 1848, in seiner Nede an die Berliner Wähler, die ihn in die preußische Nationalversammlung schickten, sprach er sich dahin aus, daß der Volkswille thatsächlich in seiner vollen sittlichen Berechtigung anerkannt werden müsse. Noch ein anderer Umstand macht diese Rede beachtenswerth. I a c o b y forderte darin volle Gerechtigkeit für die arbeitenden Klassen und fuhr dann fort: „Eines lasse» Sie uns fest im Auge behalten: die staatliche Freiheit ist nicht der höchste, nicht letzter Zweck; sie soll uns nur den Weg bahnen zur Lösung einer höheren, der gesellschaftlichen Aufgabe, nur als Mittel dienen zur Erhebung und Veredelung des Menschen, zu dem auf sittliche Freiheit begründeten Wohlergehen aller. Dies Ziel, nicht durch ein einzelnes Volk, war' es noch so mächtig, nur durch das verständnißinnige brüderliche Zusammenwirken der Völker ist es erreichbar." Jacoby stand in den ersten Tagen des November 1848 dem Könige Auge in Auge gegenüber. Durch die Ernennung des Grafen von Brandenburg zum Ministerpräsidenten war der Nationalversammlung der Fehdehandschuh hingeworfen, diese beschloß aber, eine Verständigung mit dem Könige durch eine Deputation zu versuchen. Jacoby wurde derselben beigesellt, obgleich er sich gegen einen solchen Versuch ausgesprochen hatte. Friedrich Wilhelm IV. empfing die Abgesandten in Potsdam im Beisein von nur einem Adjutanten mit allen Zeichen der Ungnade, nahm dem Führer, Herrn von Unruh, die Adresse, sobald dieser sie vorgelesen, au»

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