Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1900)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1900-02-01
- Page
- 59 (sequence 3)
- Language
- German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 59 Zukunft. Die Scheidewand, welche ein sinnloses Vorurtheil aufgebaut hat, wird' auch in Deutschland sinken, und das Vaterland ferner keinen Unterschied machen zwischen seinen jüdischen und christlichen Bürgern. Das aber ist das einzige vernunftgemäße Verhältniß der Juden zu den christlichen Staaten." In demselben Jahre (1833) ist er sich bereits über die Grundsätze, die ihn sein ganzes Leben hindurch leiten sollten, völlig klar. Er schreibt zu dieser Zeit an einen Freund: „Es giebt ein historisches und ein vernünftiges Recht; jenes dient mehr den materiellen, dieses ausschließlich den geistigen Jntereffen bcr Menschen. Wo nun beide Arten des Rechts übereinstimmen, da giebt's keinen Streit, und der Weg, den wir zu betreten haben, -ist nicht zweifelhaft; wo sie dagegen einander zu widerstreiten scheinen, da ist's nur Gmndsatz, fest und unwandelbar auf der Seite des vernünftigen Rechts (was mir als solches erscheint) und der geistigen Interessen zu stehen. Der Sieg dieser Partei ist mir das höchste Ziel des Ctrebens, daher vermögen keine Rücksichten mich davon abzulenken. Wo ich kann, werde ich durch Wort und That dafür wirken, weil ich — im Gegensatz zu Deiner historischen EPwickelungStheorie — der Ueberzeugung lebe, zu früh könne Und werde die Menschheit das Ziel nicht erreichen." Aufgabe und Zweck des Staatrvereins ist ihm nicht der Wille Einzelner, gleichviel ob gut oder schlecht, als Herrscher, sondern allein Recht Und, Gesetze mit möglichst größter Freiheit jede« Pinzelnen. | Der Augenblick, diese Grundsätze durch die That zu bewähren, sollte nicht mehr lange ausstehen. Die Glocken, welche den Tod Ies Königs Friedrich Wilhelm'- HI. verkündeten, riefen Johann A; acoby auf den politischen Kampfplatz. Zwar hatte es vorher glicht an literarischen Scharmützeln und Vorpostengefechten mit dem Absolutismus gefehlt, der auf Preußen lastete; man las damals Mörne, Heine, Anastasius Grün, überhaupt alle Schriftsteller, die Herboten waren, mit großem Eifer, und auch die Wirkungen der ^Pariser Julirevolution hatten sich nachhaltig fühlbar gemacht. Allein man hatte dm Lebensabend des greism Monarchm, mit Hem man die schwere napoleonische Zett erlittm und durchgekämpst Hatte, durch nachdrückliches Mahnm an unerfüllt gebliebene Ver- Krechungen von 1815 nicht störm wollm. Von dirsm Rücksichten 5'