Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1900)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1900-02-01
- Page
- 58 (sequence 2)
- Language
- German
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von allen städtischen und staatlichen Diensten und Aemtern ausgeschloffen. Johann Jacoby studierte auf der Albertus- Universität'in Königsberg Medizin, nachdem er auf dem dortigen Friedrichs-Kollegium seine Vorbildung erhalten, und ließ sich 1830 in seiner Vaterstadt als praktischer Arzt nieder. Wie Börne und Heine, fühlte auch er die demüthigende Zurücksetzung durch das Gesetz um des Glaubens willen auf das Empfindlichste. Seine Feucrseele erhielt dadurch den ersten Anstoß zu seinem späteren Wirken, zu seiner Empörung gegen Unrecht und Unfreiheit. Er selbst schreibt: „Der Geburt und der inneren Ueberzeugung nach Jude, machte ich oft die demüthigende Lage der Glaubeusgenoffen zum Gegenstand schmerzlicher Betrachtung. Voll lebhaften Unwillens sah und fühlte ich die drückenden Feffeln, mit denen ein sinnloses Vorurtheil uns belastet. Gekränkt in Ansprüchen, die auch der Niedrigste an das Leben zu machen berechtigt ist, gehemmt in der freien Wahl des Berufs, ausgeschloffen von jeder äußeren Ehre und eben dadurch unverschuldet der Geringschätzung preisgcgeben, leben auf diesem civilisiertesten Erdtheile in diesem aufgeklärtesten Jahrhundert noch eine Million Menschen — den Parias gleich — in bürgerlicher Unfähigkeit und schmählicher Erniedrigung; und alles dies einzig und allein aus der Ursache, weil sie über einen Gegenstand, den der menschliche Geist nie völlig zu ergründen im Stande ist, einer anderen Meinung zu sein wagten, als die übrige Menge." Es klingt ihm wie bitterer Spott, daß man daran zweifeln könne, ob die Juden selbst eine Gleichstellung mit den Christen wünschten und die Sehnsucht nach Freiheit auch wirklich empfänden. Einem solchen Zweifel hatte der Ober-Regierungsrath Streckfuß zu Berlin in seiner Schrift „Ueber das Verhältniß der Juden zu den christlichen Staaten" Ausdruck gegeben. Gegen diese 1833 veröffentlichte Schrift, worin alle bis zum Ueberdruß wiederholten Einwendungen gegen die Emanzipation der Juden wiedergekäut werden, führt Jacoby noch in demselben Jahre seine unerbittlich logische Feder und löst dabei sämmtliche Gründe de» Herrn Ober-Regierungörathes in nichts auf. Er schließt: „Vor der Macht der Wahrheit mußder Gegner Hohn ebenso wie ihre schnöden Trugschlüsse verstummen. Die öffentliche Meinung der gebildeten Mehrzahl ist uns Bürge einer brffern