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Im deutschen Reich · 1900-01-01 · Heft 1 (Januar 1900) · p. 51

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 1 (Januar 1900)
Article
Dr. G. Stille [Rezension]
Date
1900-01-01
Page
51 (sequence 4)
Language
German
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Bücherschau. 51 unbegrenzter Zahl, dann nur bis zu einem gewissen Prozentsatz ausgenommen haben, dann sich weigern trotz des Ersuchens der jüdischen Eltern, ihren Schülerinnen Unterricht in dem Glauben ihrer Eltern ertheilen zu lasten, und endlich gar Missionsversuche machen. Die Damen werden nach dem Urtheile des Herrn Stille beschimpft, wenn sich die Juden dagegen wehren, daß ihren Kindern die Religion verkümmert oder gar geraubt werde, und wenn sie hierin die Unterstützung rechtlich denkender Männer aus allen Glaubensbekenntnissen, allen politischen Parteien und gesellschaftlichen Kreisen finden. Die Damen werden wehrlos genannt, weil sich die Juden gegen Uebergriffe oder Mißgriffe wehren, weil vorurtheilsfreie Christen Staat und Gesellschaft vor dem zersetzenden und Lötenden Element im Antisemitismus wahren wollen. Wir können nur eine Selbstverleugnung ohne Maßen darin sehen, daß Herr Stille von Beschimpfung der Damen spricht, während sich kaum eine Seite seiner Schrift ohne eine beschimpfende Aeußerung gegen die Juden findet. Wir stoßen uns daran nicht mehr, denn wir sind diesen Antisemitenton gewöhnt, aber wir halten den nicht für qualifiziert, andern einen Borwurf zu machen, den er — wir wollen ihm nicht zu nahe treten und sagen ohne Bewußtsein — auf sich ladet. Eine dritte Veranlassung, die deutsche Schule in Gefahr zu sehen, findet Stille darin, daß jüdische Lehrkräfte in die deutsche Schule eingedrungen seim. Bei der Tonart des Verfassers darf es nicht auffallen, daß er da von einem Eindringen spricht, wo es sich um nichts anderes handelt, als um ein Recht, welches den Juden lange vorenthalten und endlich gewährt worden ist. Für den Verfasser sind eben die Juden rechtlos und nur geduldet; was sie sind und was sie in ihrem deutschen Daterlande haben, sieht er als ein Gnadengeschenk an, das nach seinem und seiner Genossen Belieben durch einen Machtspruch entzogen werden kann. So verfassungS- und überzeugungstreue Männer müssen auch auf dem Standpunkte stehen, daß jüdische Kinder in die Berliner städtischen Schulen eingedrungen sind (S. 22); denn man hat sich ja ihrer Zustimmung nicht versichert, als in § 61 des Gesetzes vom 23. Juli 1847 bestimmt wurde: „Die Juden sind schuldig, ihre Kinder zur regelmäßigen Theilnahme an dem Unterricht in der Ortsschule während des gesetzlich vorgeschriebenen Alters anzuhalten." Die jüdischen Kinder sollen wieder aus der öffentlichen Schule entfernt werden; also müssen konfessionell jüdische Schulen von den jüdischen Gemeinden errichtet werben (S. 56 st). „Der Berliner jüdischen Gemeinde liegt eS ob, für die Befriedigung dieses Bedürfnisses zu sorgen." Wer anders als Herr SMe ist wohl auch ge- 4*

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