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Im deutschen Reich · 1900-01-01 · Heft 1 (Januar 1900) · p. 16

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 1 (Januar 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-01-01
Page
16 (sequence 4)
Language
German
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16 Im deutschen Reich. theidigers, daß man von einem Angehörigen des deutschen Adels nie angenommen habe, daß er den politischen Kampf in gewaltsamer Weise führen möchte. Ueber daS Urtheil und seine Begründung empfiehlt eS fich, fich jedes UrLheils zu enthalten. Die auf der Anklagebank verbrachte Zeit scheint aber doch auf den gräflichen bilderreichen „Dreschflegelredner" einen gewissen Eindruck hinterlaffen zu haben, da' er in der vom „Deutschen Antisemiten-Bund" am 5. Januar veranstalteten Volksversammlung fich weniger mit den Juden als mit der seiner Meinung nach grundfalschen auswärtigen Politik der Reichsregierung beschäftigte und fich seinen „lieben Berlinern" von der „staatsmännischen Seite" zeigte, um den Befähigungsnachweis für ein Mandat in einem von den Antisemiten beherrschten Reichstagswahlkreis zu liefern. Der „Deutsche Antisemiten-Bund" und die demselben nahestehenden antisemitischen Blätter find sehr leicht zu befriedigen, wenn fie in der Freisprechung deS Grafen Pückler und des Redakteurs I. Wilberg „eine Niederlage des Judenthums" erblicken, trotzdem die Juden fich gar nicht mehr um den Grafen kümmern, seitdem ihm von dem Reichsgericht ebenso wie von dem Glogauer Landgericht bescheinigt wurde, daß er fich der Tragweite seiner aufreizenden Reden nicht vollständig bewußt sei, und ebensowenig um Herrn Wilberg, der seinem geschäftstüchtigen Brodherrn Bruhn um jeden Preis einen Ersatz für den ihm verloren gegangenen „Deutschen Michel" liefern muß. Diese Antisemiten haben offenbar nichts gelernt und nichts vergessen; sie erinnern sich nicht mehr, wen der jetzt zur konservativen Partei gehörige Freiherr von Langen, der einst mit Hilfe des exaltierten Karl Paasch die antisemitische Hetzschrift „DaS jüdische Geheimgesetz" herausgab, zum Sprungbrett benutzte, um in den Reichstag zu gelangen; sie halten es auch jetzt noch für einen Erfolg, dem Vertreter der parteilosen Bürgervereinigung die Gelegenheit verschafft zu haben, sich im Rothen Hause für „eine gesunde Sozialpolitik" Singers zu erwärmen, über „daS Grinsen des Antisemiten Böckler" zu spotten und denjenigen Antisemiten, der an seiner Auftichtigkeit zweifle, „entweder für einen Ignoranten oder für perfide" zu erklären. Kaum bester wie mit Herrn Ulrich wird es diesen Herren mit ihrem jetzigen gräflichen Gönner gehen, aber jetzt haben sie freilich noch nicht die geringste Ahnung von den Ueberraschungen, die ihnen bevorstehen, wenn der ehemalige Amtsvorsteher von Kl.-Tschirne mit ihrer Hilfe daS Ziel feines brennenden Ehrgeizes erreicht haben wird. Verblendet durch Judenhaß und Reklamefucht sehen sie immer nur daS Allernächste, posaunen als ihren Erfolg aus, was den Juden nahezu gleich-

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