Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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14 3m deutschen Reich Reformpartei zum Bunde der Landwirthe dürste nur noch eine Frage der Zeit sein. Den Anfang hat u. A. der antisemitische Redakteur Ludwig Wengg in München gemacht, welcher seit dem 1. Januar neben dem „Deutschen Volksblatt" ein Halbmonatsblatt „Der Bund der Landwirthe im Königreich Bayern" herausgiebt. Die neue Personalunion äußert auch schon ihre Wirkung auf die politische Haltung des Dolksblatts: die agrarischen Jntereffen treten viel mehr in den Vordergrund; die früher so stark betonten nationalen großen Gesichtspunkte verschwinden, und Wengg, der seine Begeisterung für die „stammverwandten Buren" stets so stolz zur Schau trug, bekämpft jetzt die Flottenverstärkung auf's heftigste. Die gleiche Gesinnung bekundet die „Deutsche Volksmacht" des hessischen Abg. Köhler, in welcher kürzlich in einem Reichstagsbericht erklärt wurde: „Wie nicht anders zu erwarten war, erklärt sich der Abg. Liebermann von Sonnmberg für die Flottenpläne, zu deren Deckung er eine Reichseinkommensteuer geschaffen wiffen will, wofür wir aber allerschönstens danken. Das fehlte noch, daß auch das direkte Steuerwesen in die Hände Preußens käme." Daß die Antisemiten im deutschen Reichstage, nur durch den Grafen von Limburg-Stirum unterstützt, für den ein Nahrungsmittel der ärmeren Klaffen vertheuernden Heringszoll eintraten, war ein taktischer Fehler, der von den eigenen Parteigenoffen dem Abg. Liebermann zur Last gelegt wird. Deshalb brachte deffen Organ schleunigst die lahme Entschuldigung vor, die Fraktion habe eS abgelehnt, „die von manchen Seiten getriebene Popularität Sh a s ch e r e i milzumachen". Die Preßfehde zwischen drn „Deutsch-Sozialen Blättern" und der „Staatsbürger-Ztg." ist dadurch, daß die letztere sich gezwungen sah, am Schluffe des Jahres 1899 auf ihre Wihbeilage „Der deutsche Michel" zu verzichten, nicht beigelegt, wohl auch dadurch wieder verschärft worden, daß die „Staatsbürgerin" heftige Auslaffungen des antisemitischen Erfurter Strumpfwaarenfabrikanten Koch veröffentlicht, der sich durchaus den Vorwurf Liebermann's nicht gefallen laffen will, dem hessischen Abg. Ludwig Werner wahrheitswidrige Mittheilungen gemacht zu haben. Wie sich der antisemitische Abgeordnete Ludwig Werner gegenüber den beständigen Provokationen des national-sozialen Redakteurs ErdmannSdörffer verhalten hat, ist bekannt, und der Strumpfwaarenfabrikant Georg Koch in Erfurt pflegte früher ebenso wie der Graf Pückler-Kl.-Tschirne seine Geistesprodukte zuerst seinem Freunde Karl Sedlatzek anzuvertrauen. Die Sache ist auch insofern von Bedeutung, als sie zeigt, in welcher Gesellschaft sich jetzt die „StaatSbürger-Ztg." befindet, die in