Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1900)
- Article
- Carl Gottlieb Hauptmann
- Date
- 1900-01-01
- Page
- 11 (sequence 5)
- Language
- German
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Carl Gottlieb HaupLrnann. 11 Stufe des Ruhmes zu erreichen vermochte. Nichts mehr strebte er an, als aus seinen „sittlich wohlgrmeinten" Poesieen finnigen und verständigen Menschen im Geiste die Hand zu drücken. Ich lasse hier zum Schlüsse meiner kleinen Lebensskizze Hauptmann'S ein Gedicht folgen, das noch ungedruckt ist. ES ist in den letzten Jahren entstanden und gehört, was die Form anbttrifft, nicht zu seinen besten. Aber sein schlichter Gerechtigkeitssinn spricht fich in dem Gedichte recht deutlich aus: Ein Wort zur Judenhetze. Es geht ein Geist durch alle Lande Mit schwer umwölktem, finstern Wahn, Er möchte stören gern, — zur Schande Der Menschheit, — was beglücken kann: Der Wahrheit, Lieb' und Hoffnung Geist, Der alle Menschen Brüder heißt. So manche, die sich Christen nennen. Doch leider arm an Christi Geist, Die sich wohl eifrig gern bekennen Zu dem, was Form und Satzung heißt. Die es jedoch zum Christcnfinn, In Wahrheit, selten bringen hin. Die geh'n jetzt mit entschied'ner Strenge Auf andre Menschenbrüder los, Um sie zu treiben in die Enge Und sie zu stellen kalt und blos, Dieweil sie ihnen hier und da Im Wege stehen oft zu nah. Geht man dem finsteren Bestreben Mit freiem Sinn ernst auf den Grund, So wird sich deutlich bald ergeben. Daß schnöder Selbstsinn ist im Bund, Der allem Recht und Wohl zum Hohn Gern mißbraucht Sitt' und Religion. Zwar ist wohl vieles zu beklagen In unsrer schwergedrückten Zeit; Wohl sucht so mancher zu erjagen Sein Glück mit Trug und Findigkeit, Die Konkurrenz in Groß und Klein Bewegt fich oft ftech und gemein.