Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1900)
- Article
- Carl Gottlieb Hauptmann
- Date
- 1900-01-01
- Page
- 10 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Im deutschen Reich. Aber die poetische Beschäftigung, das Sinnen und Sagen über Gott und die Welt und viele andere Dinge hat ihn über vieles Niedrige und Widerwärtige auf seinem Lebenswege hinweg» geholfen, so daß er nun, ein Greis an der Schwelle des Grabes, mit Befriedigung auf sein Leben zurückblickt und nur den einen Wunsch hegt, daß das, was er geschaffen, nicht ganz vom Winde verweht werdm möchte. Und sein Andenkm wird sicherlich, wenigstens in seiner Heimath, ein dauerndes bleiben. Als Hauptmann in den sechziger Jahren zum ersten Male seine Gedichte in einem kleinen Heftchen drucken ließ und sich mit Empfehlungen des Kantors und Pastors von Sebnitz auf den Weg machte, um das Gedichtbändchen selbst zu kolportierm, da hatte er das Glück, viele Abnehmer für dieses Heftchen zu finden, so daß er wohl ein schönes Sümmchen hätte dabei verdienen können. Aber sein Erfolg erschien ihm, dem echten Volksdichter, Lohn genug. Er freute sich, daß man an seinen Poesien Gefallen fand und wollte nichts mehr sein, als Volksdichter. So hat er in den ersten Jahren seiner Dichterlaufbahn den Reingewinn, der ihm aus seinen Gedichten beschieden war, stets getreulich an den Stadtrath von Sebnitz abgeliefert, um einen Grundstock zu einem Asyl für hilfsbedürftige, würdige, alte Bewohner von Sebnitz zu legen. Erst später, als das zunehmende Alter sich auch in geistiger Beziehung bemerkbar machte, als er geistig nichts oder nur wenig zu schaffen vermochte, bat er auch an sich selbst gedacht und hat sich mit Hilfe seiner sparsamen Frau, die ihm allezeit eine treue Lebensgefährtin gewesen, ein kleines Kapital erspart, das ihn nun, da er nicht mehr dichten und nicht mehr weben kann, vor allzu großen Alterssorgen schützt und ihm ein bescheidenes Dasein für die noch kurz bemessenen Lebensjahre bietet. „Nun sitze ich beim Spul- oder Treibrade" so schreibt mir der würdige Greis, „und bitte Gott um ein glückliches Ende." Carl Gottlieb Hauptmann's Gedichte sind vor einigen Jahren zum letzten Male in 25. Auflage im Selbstverläge erschienen. 82 000 Exemplare hat der Volksdichter auf dem Wege der Selbst- .kolportage verkauft. Hoch und Niedrig, Reich und Arm, Gelehrte und Laien haben sich an den schlicht empfundenen Gedichten erfreut, deren Autor selbst weiß, daß er mit ihnen nicht die höchste