Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1900)
- Article
- Fritz Reuter und die Juden
- Date
- 1900-01-01
- Page
- 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 3m deutschen Reich. schreiben zu der Sendung charakterisiert des Dichters Stellung zu dem jüdischen Freunde in ebenso beredter als wohlthuender Weife. „Nicht weil Dein und Deines Schwiegersohnes Name in dem betreffenden Zeitungsartikel genannt wurde" — so heißt es in jenem Schreiben — „sondern weil ich seit langen, langen Jahren Dein treues, ehrenvolles Wirken in Deinem Berufe und Deine Liebe und Freundschaft für mich kenne, sende ich diese Gabe an Dich. — Dir, dem Juden, der in trübster Zeit, in Noth und Tod treu zu mir gestanden hat, verdanke ich viel mehr, als manchem durch feinen Glauben aufgeputzten Chriftenmenschen. Run kommen sie, viele, ach, sehr viele, und es sind die bravsten Leute und aufrichtigsten Freunde darunter; aber damals, als es Noth that, da hatte ich wirklich keinen, der mir so treu zur Seite st and, wie Du. Nun grüße mir Deine liebe Anna von ihrem alten Onkel und von dessen Frau, streich' ihr in deren Namen das schöne Haar von der weißen, hohen Stirn, und dann geh' zu den Weinigen, grüx,' sie ebenso warm und dann zu dem ehrenhaften, lieben Pastor Niederhöffer und dank' ihm für seine Treue in meinem Namen." Wer vermöchte einem Freunde ein ehrendere» Zeugniß und seiner Freundschaft wahreren, reineren Ausdruck zu geben, als mit solchen von offenster, tiefsten Herzenswärme durchglühten Bekenntnissen?! Weder der Mund der Voreingenommenheit, noch der „Amme Gewohnheit" diktierte dem Dichter dieses Ehrenlob in die Feder — er hatte eher zu wenig als zu viel von dem treuen Freunde gesagt. Zur Zeit, da Fritz Reuter noch von einer Festung zur andern geschleppt wurde und sein Vater in seinem strengen Sinn sich manchmal verbittert und hart Über ihn äußerte, war Liebmanu derjenige, der den armen Freund in Schutz nahm und den Vater tröstete. Und al» der unglückliche politische Märtyrer endlich die Freiheit zurückgewonnen hatte und als „verlorene Existenz" von allen aufgegeben wurde, da war er e» wieder, der ihm aufhalf, nicht etwa mit billigen Trostworten und noch billigeren guten Rathschlägen, sondem mit baarer, blanker Thatmünze. Wo ist der Christ, der christlicher zu handeln vermöchte, als hier der Jude?!-