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Im deutschen Reich · 1899-12-01 · Heft 12 (Dezember 1899) · p. 678

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 12 (Dezember 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-12-01
Page
678 (sequence 3)
Language
German
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Herr Apotheker Löwen st rin zum Wort, und machte den Versuch, eine Resolution gegen die bekannten parodistischen Citate deS Herrn Dr. Pre"b -y provozieren; er wurde aber von dem Herrn Vorsitzenden darauf hingewiesen daß die Stellung des Vereins zu dieser Angelegenheit genügend gekennzeichnet sei. Der Verein mißbillige selbstverständlich das Travestieren jüdischer Bibelworte und christlicher Kirchenlieder. Nicht minder aber müsse der Verein nach der loyalen Erklärung des Herrn Dr. Preuß die zu dem begangenen Fehler in gar keinem Verhältnisse stehenden Folgen einer solchen unbedachten Aeußerung beklagen, zumal die Annahme nicht ausgeschlossen sei, daß man den Urheber aus anderen Gründen als wegen eines solchen Vergreifens im Ausdrucke habe treffen wollen. Nach dem offiziellen Schlußder Versammlung erfolgten wiederum zahlreiche Anmeldungen neuer Mitglieder. Der Besuch der im Saale des Hotels Saxonia am 11. Dezember abgehaltenen Versammlung der in Berlin ’W. wohnendenCentralvereins-Mitglieder litt empfindlich unter der Ungunst der Witterung und der durch dieselbe verursachten allgemeinen Verkehrsstörungen. Der Vorsitzende, Herr Di-, jur. et phil. Karl Koehne, drückte deshalb bei der Eröffnung der Versammlung den trotz dieser Hindernisse Erschienenen herzlichen Dank aus und ertheilte dann Herrn Rittergutsbesitzer Ludwig Cohn das Wort zu dem Vortrage „Reiseplaudereien aus Galizien". Der Redner schilderte in fesselnder Weise seine Erlebnisse auf einer Reise, welche er im Aufträge der „ckcrvislr - Colonization - Association“ unternommen, um Land und Leute in Galizien kennen zu lernen und sich gutachtlich darüber äußern zu können, ob es möglich und räthlich sei, jüdische Knaben in Galizien für die Landwirthschast zu erziehen, .und ob und wo es lohne, zu diesem Behufe Ackerbauschulen zu errichten. Der Bericht über die Verhandlungen in Wien, welche dieser Studienreise oorausgingen, die Ankunft in Kolomea, die Besichtigung der dortigen Cheder-, Thora- und Baron Hirsch-Schulen und die Beobachtung der gewerblichen Verhältnisse in Kolomea, Stanislau u. a. O. zeigten, mit welcher Hingebung der Vortragende die ihm gestellt« Aufgabe zu lösen versucht hat. Die sich anschließende ergreifende Schilderung der traurigen Lage der jüdischen Bergleute in Borislaw zeigte nicht nur das Elend dieser ärmsten Glaubensgenossen, sondern auch die mißliche Lage der gesammten etwa 800 000 Seelen umfassenden jüdischen Bevölkerung Galiziens, von der fast 70 Prozent mittellos sind. Die Gründe für

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