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Im deutschen Reich · 1899-12-01 · Heft 12 (Dezember 1899) · p. 679

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 12 (Dezember 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-12-01
Page
679 (sequence 4)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 679 diese Verarmung sind darin zu suchen, daß Galizien ein industriearme^ Land ist, daß die Landw'rthschaft dort sich im rapiden Niedergange befindet, der durch schlechte Wirthschaft tief verschuldete Adel (die Schlacht«) die Propination zwar an sich gerissen, aber meist wieder theuer verpachtet hat, der Jude aber weder als Pächter noch als Händler mehr zu Wohlstand gelangen kann. Die galizische jüdische Jugend zur Bodenkultur und zum Handwerk überzuführen, ist deshalb eine Nothwendigkeit; dieses Werk ist um so aussichtsvoller, als die Mehrzahl der Knaben eine wunderbare Fassungsgabe und Bildungsfähigkeit besitzt und nur durch die Verwahrlosung der Erziehung bisher vielfach erwerbsunfähig blieb. So weit die trotz des Widerstandes einzelner Verblendeter durch die rastlose Energie des Dr. Friedländer und die Munificenz des Baron Hirsch eingerichteten, neuzeitlichen Schulen Tausenden von Knaben eine bessere Erziehung verschaffen, sind bereits staunenswerthe Erfolge erzielt worden. Die Errichtung neuer Ackerbauschulen, welche in Ostgalizien auf dem nach dem Gutachten des Vortragenden für 360 000 Gulden preiswürdig erworbenen fürstlichen Komplex geplant ist wird weitere segenbringende Folgen haben. Vor allem wäre zu wünschen, daß die angesehensten jüdischen Kreise in Wien diese Bestrebungen nicht nur mit Kapital, sondern auch mit ihrem bedeutenden Einfluß unterstützen, um die autonome Regierung in Galizien zu einer wohlwollenderen Haltung zu veranlassen. Den dortigen armen Glaubensgenossen, von denen so viele durch das häusliche Elend gezwungen werden, Hilfe in Deutschland zu suchen, könnte dann Rettung in ihrer Heimath werden durch Schulen, durch Anleitung zum Handwerk und zum Ackerbau. Einem solchen Rettungswerke würden auch sicher die Sympathien und die thatkräftige Hilfe der Juden Deutschlands und aller Kulturvölker nicht fehlen. — Reicher Beifall folgte diesen Ausführungen und auf Anregung des Vorsitzenden gab die Versammlung ihrem Danke durch Erheben von den Sitzen weiteren Ausdruck. Da zur Diskussion niemand das Wort verlangte, wurde hierauf die Versammlung geschlossen. Am 10. Dezember fand in L i e g n i tz eine Versammlung der dortigen Mitglieder des Central-Vereins statt, in welcher das Vorstandsmitglied Herr Dr. Otto Wiesenthal aus Berlin einen Vortrag hielt. Herr Heinrich Cohn, Vorsitzender des dortigen Synagogen-Gemeinde-VorstandS, eröffnet« und leitete die Versammlung. Nachdem er die zahlreich erschienenen Damen und Herren, sowie den Herrn Vortragenden begrüßt hatte.

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