Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1899-12-01 · Heft 12 (Dezember 1899) · p. 660

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 12 (Dezember 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-12-01
Page
660 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316650-2316662--06108-2325198
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

m jnr <retrqujen mixaf. geschmähten Glauben und für ihrrbedrohten bürgerlichen Recht«. Das/ was ihren Opfermuth beseelt und adelt/ist das Bewußtsein, daß fie nicht nur für ihre eigene Sache streiten, sondern auch für di« höchsten Güter ihres' gesummten Vaterlandes/daß sie für Recht/ Freiheit und Auf-' klärung kämpfen gegen Bosheit, Dummheit Und gegen den rücksichtslosen Eigennutz der Rückschrittler. Der gerechten Sache wird schließlich doch der Sieg zu Theil werden, und dann wird man e§ anerkennen müssen/ daß es die Juden waren, welche für den Ausbau des Rechtsstaates/ für Gewissens-und Glaubensfreiheit, fürwahre Geistes-und Herzensbildung aller Schichten der Bevölkerung strebten und litten, während ihre Gegner Knechte waren, die nicht nur die Juden, sondern das ganze Volk wieder in die dunklen Haine des nordischen HeidenthumeS zurück« führen und zum Nutzen weniger, um ihre mittelalterlichen Vorrechte kämpfenden Egoisten in die Bande geistiger und körperlicher Knechtschast schlagen wollten. Die Hoffnung auf diese besser« Zeit hält di^ Juden aufrecht in Noth und Drang und verleiht ihnen die edle Begeisterung, welche auch in weiteren Kreisen Achtung erzwingt: Erschütternd wirkte es im österreichischen Reichsrathe, als der jüdische Abgeordnete Straucher den schnöden Verleumdungen des antisemitischen Nitualmordmärchen-Erfinders Schneider entgegentrat und auf einen Einwurf des Monsignore Stojalowski diesem zurief: „Ihr Name, Herr Stojalowski, ist eingezeichnet in der Ge« fchichte der Juden. Wenn aus den Ruinen Galiziens 1 noch 'neues Leben erblühen sollte, Ihr Name wird verflucht sein! Sie, Herr Stojalowski, haben, als Sie in Bedrängniß waren, jüdische Hilfe gesucht und gefunden, und wer hat Sie bewuchert? Ein Pattei« genösse von Ihnen! Sie haben mir den Namen genannt! Kein Jude kümmert sich um das Schicksal Hilsner's, aber gegen die verlogene Behauptung müssen wir Stellung nehmen, daß wir Juden Menschrnblut für rituell« Zweck, brauchen." Als am N. Dezember der Kaiser Franz Josef dem Prager Rabbiner Dr. Alexander Kisch, der auch Feldprediger ist, Audienz ertheilte, wies Kisch darauf hin, wie schwere Tage seine Glaubensgenossen in Böhmen jetzt durchzumachen hätten und sagte, daß all ihr Trost die gütige Fürsorge des Kaisers sei. Darauf erwiderte der Kaiser: „Ja, Ihr« Glaubensgenossen haben jetzt schwere Tage. Ich bin sehr empört über die Rohheit." Der Kaiser erlaubte dem Rabbiner, seine Worte zu veröffentlichen, lieber die jetzigen Zustände in Böhmen und Mähren schreibt man der „Frankfurter Zeitung" aus Wien: „Die politische und wirthschaftliche Unzu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.