Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-12-01
- Page
- 656 (sequence 5)
- Language
- German
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656 Im Leukschen Reich. günstig beürtheilen wie di, „Staatsbürger-Zeitung", welche dasselbe gegen die Mehrheit der Berliner Stadtverordneten-Versammlung zu ver« werthen sucht, oder wie die „Deutsche Wacht", welche darin „eine rettende Tha?" erblickt, .die sie nebenher durch Boykottierung der jüdischen Waarenhäuser ungescheut zu Geschäftszwecken auSzunützen versucht. Andere antisemttischen Örgane nehmen vielmehr offen Partei gegen das „Hofmeistern" der Berliner Stadtverordneten-Versammlung und thun dies in einem Tone, Ler selbst denjenigen der entschiedensten Opposition an'Schärfe überbietet. Die Magdeburger „Sachsenschau" schrieb am 3. Dezember: „Die Stadtverordneten-Versammlung von Berlin hatte den Kirchenbauplänen schon längere Zeit entschiedenen Widerstand entgegengesetzt und außerdem' Hatte ein jüdischer Stadtverordneter einige Gesangbuchverse parodiert. ' Diese Taktlosigkeiten glaubte der Herr Graf (?) bei Gelegenheit des diesjährigen Dankschreibens, das er im Namen der Kaiserin für die Geburtstagsgratulation an das Rothe Haus sandte, energisch rügen zu müssen. Da ist er aber schön angelaufen. Dr. Langerhans zahlte dem Grafen dessen Ruthenstreiche unter dem Hallo der Versammlung mit solchen Fausthieben heim, daß dem Aermsten die Augen übergingen. Die „Staatsbürger- Zeitung" und „Deutsche Wacht", haben nun mit dem Geprügelten eih großes Jammergeschrei über die Frechheiten der Berliner Stadtväter ' 'angestimmt — weshalb, das wird wohl ein Geheimniß der beiden Blätter bleiben." Noch auffallender äußerten sich die „Deutsch- Sozialen Blätter" bei der Besprechung eines auf den Vorfall bezüglichen Artikels des „Kl. Journals": „Der Inhalt und die Form der oben wiedergegebenen Auslaffungen gestatten kaum noch einen Zweifel daran,' daß der Freiherr von Mirbach dahinter steht, und diese Thal« fäche lst das Bedauerliche an der ganzen an sich nicht besonders erfreulichen Geschichte. Giebt es denn am Hofe von Berlin nicht mehr «inen einzigen patriotischen und klugen Mann, der dem Oberhofmeister. mit wünschenswerther Deutlichkeit begreiflich macht, daß eS nicht angängig ist, die Vertheidigung unseres Herrscher-PaareS in den Spälten eines Blattes zu führen ... Wahrhaftig, wohl noch nie, seit dasHohenzollernhaüs in Brandenburg-Preußen regiert, ist das monarchische Gefühl des Volkes schlimmeren Prüfungen auSgesetzt gewesen, als in unfern Tagen. Der Träger einer hohen Hofcharge nahm vor kurzem überraschend plötzlich seinen Abschied'. Möge das ein Signal zum gründlichen Kehraus gewesen sein, und möge das neue Jahrhundert auch noch andere neue Männer auf den verantwortungsvollen Posten im Hofhaushalte finden."