Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-12-01
- Page
- 655 (sequence 4)
- Language
- German
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nicht überschreit«» mag." Von dem Organ Liebermann's, den ^Deutsch- Sozialen Blättern", wurde die Wahl Ulrich's als „eine Niederlage der Juden" dargestellt. Wenn trotzdem feststeht, daß auch einzelne jüdisch« Wähler für-den Judenfeind Mich'gestimmt haben, statt stch bei etwaigen Bedenken gegen die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten der Wahl zu enthalten, braucht man sich nur an die beschämende Thatsache zu erinnern, daß seiner Zeit im Kreise Friedeberg-Arnswalde einig« Juden für einen Reichstagskandidaten gestimmt haben, der ihnen vorher jede Menschenwürde abgestritten hatte. Nur^die allergrößten Kälber wählen ihre Metzger selber! Wer nun im Rothen Hause neben Herrn Pretzel Platz nimmt, konnte ejnem Juden nicht fremd sein; die „Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" erinnerten mit Recht daran: „Seine politischen Sporen hat stch Herr Ulrich in dem Blättchen des Herrn — Karl Sedlatzek verdient!" Und was von ihm künftig zu erwarten ist und von seinen Myrmidonen thatsächlich erwartet wird, das sagt die „Staatsbürger-Zeitung": „Hoffentlich wird Herr Ulrich im Rothen Hause nicht ganz so „parteilos" sein, wie er als junger „Kandidat«" so meisterhaft gewesen ist; sondern er wird nun, wo er, mit der „güldenen" Kette geziert, in Amt und Würden ist, ftisch vom Leder ziehen, wenn es gilt, die Interessen des christlich-deutschen TheilS der Bevölkerung Berlins wahrzunehmen und den alten Adel AbrahamS in seine Schranken zu weisen. Gerade er kennt diesen Adel AbrahamS doch am besten: In seinem Berufe als Rechtsanwalt hat er täglich Gelegenheit, orientalische Studien zu machen." Vor der Wahl hatte dasselbe ehrenhafte Blatt geschrieben: „Es ist Pflicht jedes christlich-deutschen Mannes, unbedingt an der Wahlurne zu erscheinen und dem Kandidaten der parteilosen Bürgervereinigung, Herrn Rechtsanwalt Ulrich, seine Stimme zu geben." Nach der Wahl lautete es anders: „In einem haben fie recht: Sie deuten nämlich an, daß die „Parteilose Vereinigung" in Moabit nicht parteilos gewesen sei, und der Meinung sind wir auch. Würde in Moabit nicht der antisemitische Gedanke so stark betont worden sein, wie es geschehen, dann würde' der Sieg schwerlich so glänzend gewesen sein." Daß gerade jetzt derselbe Antisemit seinen Einzug in das Rothe Haus hält, welcher in dem Prozeß Mirbach gegen Karl Sedlatzek als Vertheidiger des letzteren dem Herrn Oberhofmeister scharf entgegentrat, muß als ein eigenthümliches Spiel des Zufalls betrachtet werden. Dasselbe ist um so bemerkenSwerther, als durchaus nicht alle antisemitischen Blätter das Vorgehen des Freihrrrn von Mirbach so