Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 11 (November 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-11-01
- Page
- 623 (sequence 3)
- Language
- German
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VereinsnachrichLen. 628 „deutschen Ehrlichkeit" zu brüsten pflegt, sich nicht entblödet, andauernd auS der „Vossischen Zeitung" längere Ausführungen wörtlich zu entnehmen und ohne Anführungsstriche fremde Geistesprodukte als eigene schriftstellerische Erzeugnisse in die Welt zu schicken. Ferner wies der Redner darauf hin, wie die Antisemiten vor keinem noch so verwerflichen Mittel zurückschrecken. Sie haben in der Dreyfus-Angelegenheit mit Lug, Trug, Urkundenfälschung, Mord u. s. w. gearbeitet; sie haben versucht, durch falsche Nachrichten über den Verlauf der Untersuchung in Polna das Ritualmordmärchen wieder aufzufrischen, wie sie den nach gerichtlichen Erkenntnissen der Tragweite seines Verhaltens nicht vollbewußten Grasen Pückler benutzen, um diejenigen, welche nicht alle werden, zu Handgreiflichkeiten gegen die Juden aufzureizen, wie sie einerseits in Ehrfurcht vor dem Throne ersterben, andererseits aber dem Monarchen Vorschriften über seine Reisen und ungehörige Vorwürfe über sein Verhalten der englischen Nation gegenüber machen, wie sie bei den Vorbereitungen zu den Berliner Stadtverordnetenwahlen die Maske der „Parteilosigkeit" vornehmen, um ihre prononciertesten Parteimänner in's Rothe Haus zu schmuggeln. Gegen solche Feinde fest zusammen zu stehen, sei «ine gebieterische Nothwendigkeit. Im Verlaufe der weiteren Debatte sprach Herr Rechtsamvalt Rudolf Hahn sein Bedauern darüber aus, daß bei der Verhandlung der Stadtverordneten-Versammlung über die Ordinariate der jüdischen Lehrerinnen ein gerade um die Behandlung dieser Frage hochverdienter Stadtverordneter sich zu einer wenig geschmackvollen Parodie habe verleiten lassen. Mehr als je sei es jetzt nöthig, die religiösen Empfindungen Anderer zu schonen und sich davor zu hüten, die Antisemiten mit solchen Waffen zu bekämpfen, wie sie gegen uns zu gebrauchen pflegen. Der Schluß der Versammlung, durch deren anregenden Verlauf denr Vereine wieder neue Mitglieder zugeführt wurden, fand erst in der zwölften Stunde statt. Am 15. November d. I. Abends 8^ Uhr fand im Saale des Restaurants „T h i e r g a r t e n h o f", Berlinerstr. 1 eine zahlreich ■ besuchte Versammlung der in Berlin NW. und Charlottenburg wohnenden Mitglieder des Central-Vereins statt. In dieser von Herrn Professor Dr. Blaschke geleiteten Versammlung hielt Herr Dr. Ernst Tuch aus Hamburg einen formvollendeten fesielnden Vortrag über „die Agrarfrage, von jüdischem Standpunkte aus". — Der Redner verwies erst auf die Nachtheile, welche der durch die freiheitliche Strömung geförderte Industrialismus zur Folge hatte und dann auf