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Im deutschen Reich · 1899-11-01 · Heft 11 (November 1899) · p. 624

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 11 (November 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-11-01
Page
624 (sequence 4)
Language
German
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624 3m deutschen Reich. den antikapitalistischen Charakter des Antisemitismus, der am richtigsten bekämpft werde, wenn man weniger seine politische, als seine wirthschaftliche Seite in'S Auge fasse. Daß die Juden in Massen dem Kleinhandel entzogen werden müßten, sei zweifellos; sie massenhaft dem Handwerk zuzuführen, sei aber unmöglich, weil dasselbe sich bei dem rastlosen Fortschritt der Technik nur noch bei dem Kunsthandwerk und bei Reparaturen als lohnend erweise. Die Lage der Landwirthschaft in Deutschland, auf welche der Vortragende näher einging, sei auch eine schwierige, aber doch eine solche, daß sich dabei ein lohnendes Feld der Thätigkeit für die Juden eröffne, falls sie für diesen Beruf geeignet seien. Daran könne man aber angesichts der tüchtigen Leistungen der zahlreich in Rußland und Galizien bei der Bodenkultur beschäftigten Juden kaum noch zweifeln, zumal es auch schon in Deutschland Tausende von jüdischen Landwirthen gebe, die zwar nicht so anspruchslos wie ihre russischen und galizischen Glaubensgenossen sein dürsten, aber unter weit günstigeren Vorbedingungen arbeiten und vorwärts kommen. Immerhin seien dies bis jetzt nur noch vereinzelte Fälle; das einzige Mittel, Massen von Juden dem ursprünglichen Hauptberufe ihrer Ahnen, der Bodenkultur, wieder zuzuführen, sei die S i e d e l u n g, die Begründung großerlandwirthschaftlicherProduktivgenossenschäften. Auf diese Weise könnte einer der Hauptvorwürfe der Antisemiten widerlegt und eine größere Anzahl von Juden der Landwirthschast zugeführt werden, was dem Gesammtvaterlande, wie den Juden selbst, zum Segen gereichen müßte. Dafür Mittel zu schaffen, heiße eine große soziale That verrichten und Bedeutenderes leisten, als die in ihrer Art Zu schätzenden Wohlthätigkeitsbestrebungen, für welche stets Mittel beschafft würden. Das Ziel werde nicht so rasch zu erreichen sein, aber durch die Ausdehnung der Anstalt in Ahlem auf den landwirthschaftlichen Betrieb und die Begründung des Vereins zur Förderung der Bodenkultur sei der richtige Weg dahin geebnet. Der Vortragende schloß in. schwungvollen Worten mit einem Appell zum Anschluß an diesen Verein und wurde mit reichem Beifall belohnt. Im Namen des Central-Vereins-Vorstandes drückte der Vorsitzende dem Redner für seine geist- und lichtvollen Ausführungen noch besonderen Dank aus, mit welchem er den Wunsch verband, daß den Bestrebungen des Redners und denen seines auf diesem schwierigen Gebiete hochverdienten Vaters der wohlverdiente Erfolg nicht fehlen möge. An den Vortrag schloß sich eine sehr ausgedehnte Debatte, welche hochinteressante, volkswirthschaftliche Gesichtspunkte eröffnete und

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