Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 11 (November 1899)
- Article
- Berlin
- Date
- 1899-11-01
- Page
- 610 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316650-2316661-2324938--05997-2325038- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
610 Im deutsche» Reich greift und dabei tüchtig aus der Schule plaudert. Dabei berichtet er u. a., daß früher von den 15 000 Exemplaren der „Michel"- Auflage 12 000 als Gratis-Beilagen zur „StaatSbürger-Ztg." Verwendung fanden, daß aber jetzt nur noch 5000 Leser dieses Blattes die „Michel-Beilage" empfangen. Da dies den Anschein erweckt, als' ob die Auflage der „Staatsbürger-Ztg." in kurzer Zeit von 12 000 auf 5000 zurückgegangen sei, ergreift die Redaktion dieses Blattes, das Wort „in eigner Sache" und schreibt: „Die von dem Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg herausgegebenen „Deutsch- Sozialen Blätter" haben es für angemessen erachtet, in einem gegen den „Deutschen Michel" gerichteten Artikel ihres „Sprechsaals" Angaben geschäftlicher Art über die „Staatsbürger-Ztg." zuzulassen, die, ganz abgesehen von ihrer thatsächlichen Unrichtigkeit, zu den Geschästsinterna gehören und von jedem sorgfältigen Geschäftsmann auch als solche behandelt werden. Wie würden die „Deutsch-Sozialen Blätter" ein solches Verhalten bezeichnen, falls ein jüdischer Redakteur, der entlassen ist, die Geschäftsgeheimnisse seines Verlegers in die Oeffentlichkeit zerren würde? (Und wie würde sich die „Staats bürg.-Ztg." selbst in diesem Falle verhalten? Anmerkung der Redaktion). Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb bedroht mit Recht diejenigen mit Strafe, die solche Geschäftsinterna, die während des Anstellungsverhältnisfes zu ihrer Kenntniß gelangt sind, in die Oeffentlichkeit bringen." Da Herr Arthur Pleißner gegen Herrn Emil Barth seine Honorarforderungen vor dem Leipziger Landgericht einklagt, dürsten noch mehr interessante antisemitische Geschäftsinterna bekannt werden. — Herr Liebermann von Sonnenberg erläßt nachstehende Erklärung: „Die „Deutsch- Sozialen Blätter" haben in dieser Angelegenheit das gethan, wozu sie verpflichtet waren. Sie haben den Warnruf ertönen lassen, damit sich der Feind nicht unter der Maske des alten ehrlichen deutschen Michels unbemerkt in unser Lager einschleichen und dort Verwirrung stiften konnte. Die „Staatsbürger-Ztg." aber hat diesen Kernpunkt der ganzen Michelfrage nicht bei ihrem Angriffe gegen mich berührt. Nachdem nun auch die „Deutsche Wacht" in einem Aufsatze, der viel schärfer gegen den Verleger des „Deutschen Michels" vorgeht, als der in meinem Blatte abgedruckte, die Thatsache festgestellt hat, daß jenes früher deutschnationale Witzblatt unter Leitung eines Mannes steht, der frisch aus dem jüdisch-freisinnigen Lager versendet ist, fragt es sich, wie lange die „Staatsbürger-Ztg." noch den sogenannten „Deutschen Michel" ihren Abonnenten ins Haus schicken will? An Michels Schwenkung ist sie unschuldig- und jeder vernünftige Mensch