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Im deutschen Reich · 1899-11-01 · Heft 11 (November 1899) · p. 609

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 11 (November 1899)
Article
Berlin
Date
1899-11-01
Page
609 (sequence 4)
Language
German
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Aorrespon-enzen. öuv Der Reichsanwalt betont« noch, daß mit Recht der Vorderrichter gegen die Ansicht sich gesträubt habe, daß, 'weil dem Thäter, auch dem Redakteur der äolu« fehle. Eine Beschränkung der Vertheidigung liege auch nicht vor, denn mit Recht sei der Antrag, die Tendenz der „Staatsbürger-Ztg." aus anderen Artikeln dieser Zeitung festzustellen, als unerheblich zurückgewiesen worden. Denn die Tendenz des Blattes komme nicht in Betracht gegenüber dem Inhalt. In Uebereinstimmung mit diesen Ausführungen, und weil keinerlei Rechtsirrthum in dem Urtheil zu erkennen, wurde die Revision kostenpflichtig verworfen. Ueber den zur Verherrlichung des Edlen von Kl. - Tschirne bestimmten „Graf Pückler-Marsch" berichtet das „Berliner Tageblatt", daß der Besteller dieser Komposition, ein eifriges Mitglied des „Deutschen Antisemiten-Bundes", Herr H. O. F ö r st e r, am 30. Juni d. I. an den Komponisten folgendes Schreiben richtete: „Erstaunt darüber, daß Sie die Rechnung auf Mk. 10,— statt Mk. 7,50 ausstellen. Wollen Sie umgehend nach meiner Wohnung Gitschinerstr. ... eine neue Nota senden, damit dieselbe unser Kassirer begleichen kann." Das „Berliner Tageblatt" bemerkt hierzu: „Also die Begeisterung für den Grafen Pückler war auf 7,50 Mark gesunken, und für die Befreiung des Deutschthums aus jüdischen Sklavenketten wollte man fernerhin auch nicht mehr anwenden! Schweren Herzens faßte der Komponist den Entschluß, sich dieser Thatsache zu fügen; er änderte seine Nota in der gewünschten Weise. Der „Kassierer" aber, der sie „begleichen" sollte, hatte dafür noch weniger Sinn als Herr Förster. Er zahlte überhaupt nichts, und seit dem 30. Juni dieses Jahres läuft der Komponist des „Graf Pückler-Marsches" seinem Honorar nach, ohne es erhalten zu können. Vielleicht wird sich demnächst der Civilrichter mit der Angelegenheit zu beschäftigen haben." Der Haupt-Verhandlungstermin gegen den Grafen Pückler- K l. - T s ch i r n e und den Redakteur Wilberg wegen der bekannten 3. Pücklerrede, resp. wegen deren Veröffentlichung in der „Staatsbürger-Ztg.", findet am 7. Dezember, Vormittags II Uhr, vor der 9. Strafkammer des Berliner Landgerichts I statt. Auch hier wird Rechtsanwalt Dr. Hahn-Charlottenburg die Vertheidigung führen. Der bisherige Herausgeber des „Deutschen Michel", Arthur Pleißner, der am 81. Oktober d. I. aus der Redaktion dieses antisemitischen Witzblattes austrat, setzt sich mit feinem Verleger Emil Barth in der Weise auseinander, daß er ihn in der „Antisemitischen Korrespondenz", bezw. den „Deutsch-Sozialen Blättern", der „Deutschen Wacht" u. a. ähnlichen Organen auf's Heftigste an- 41

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