Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 11 (November 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-11-01
- Page
- 601 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 601 «he sich die Synode mit der Sache beschäftigte." Immerhin bleibt der Fall beklagenöwerth, und zwar deshalb, weil er Wasser auf die Mühlen der Antisemiten lieferte. Die Berathungen der Brandenburgischen Provinzial »Synode erregten aber diesmal auch noch aus einem anderen Grunde das Interesse jüdischer Kreise, nämlich durch den Bericht über die Beförderung des Christenthums unter den Juden während der letzten drei Jahre. Dabei wurde bekannt, daß sich zwar in dieser Zeit 100 Taufbewerber gemeldet haben, aber nur 52 Juden (28 Männer und 24 Frauen) wirklich übergetreten sind. Von diesen Taufen entfielen 43 auf Berlin, eine Zahl, durch welche das Gerede von den Massentaufen sich als Fabel erwiesen hat. Die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" bezweifelte allerdings, daß in dieser Synodal - Statistik die sogenannten „Kindertaufen" einbegriffen sind. Wenn der Uebertritt vom Judenthum zum Christenthum selten ist, trotzdem der Staat darauf noch immer eine förmliche Prämie dadurch setzt, daß er durch die Taufe jedes Hinderniß für Anstellungen und Beförderungen als beseitigt erachtet, so ist dies den Rasse-Antisemiten zu danken, welche nicht nur selbst ihre neuen Glaubensgenossen heftig anfeinden, sondern auch vielfach andere christliche Kreise veranlassen, jüdische Abkömmlinge gesellschaftlich zu boykottieren. So sprechen sich antisemitische Blätter empört darüber üus, „daß sich ein ausländischer, zufällig getaufter Jude, Herr Viktor Schweinburg/in seiner vorlauten Weise zum Führer des deutschen Volkes in der Flottenfrage aufwirft". „Was soll es heißen," schreibt die„Staatsb.»Ztg." wörtlich, „wenn Herr Schweinburg in allen Kundgebungen des deutschen Flottenvereins seinen höchst überflüssigen Namen unter den des Fürsten zu Wied setzt und in Polemiken gegen bewährte Förderer unserer Flotte sich immer als den ursprünglichen Gründer des deutschen Flottenvereins aufspielt! Dieser Meinung ist auch die „Tägliche Rundschau", die ihn direkt auffordert, von seinem Posten als Generalsekretär des deutschen Flottenvereins imJnteresse derSache zurückzutreten." Diese'Rasse-Antisemiten, denen die Judentaufen nur deshalb verhaßt sind, weil der Hammer den Amboß braucht, treiben den Haß so weit, daß nach einem, „Judentaufen" überschriebenen Artikel der „Staatsb.-Ztg." ihnen sogar evangelische Geistliche, wie Bischof Neander, Paulus Cassel u. a. m., nicht mehr als Christen gelten. Deshalb müßte eigentlich das Schlußivort des erwähnten Artikels: „Diesem Judenthum Kampf bis auf's Messer!" auf jeden nicht von Rassenhaß Verblendeten den Eindruck machen, daß man hier an einem Abgrund steht, der wahrlich nicht nur das Judenthum gefährdet.