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Im deutschen Reich · 1899-11-01 · Heft 11 (November 1899) · p. 602

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 11 (November 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-11-01
Page
602 (sequence 8)
Language
German
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602 Im deutschen Reich. Die römische Kirche hat niemals das begünstigt, was man heute unter Rassenantisemitismus versteht; sie hat bekanntlich selbst bei Papstwahlen in der jüdischen Abstammung kein Hinderniß gesehen, und der Erzbischof von Olmütz, Dr. Kohn, ist wahrscheinlich nicht der einzige lebende Kirchenfürst, dessen Eltern Juden waren. Die Führer des katholischen Centrums haben auch im deutschen Reichstage in Fragen, welche die Gewissensfreiheit der Juden betrafen, eine Haltung gezeigt, welche den Antisemiten als herzlich unerwünscht galt. Sich mit diesen Politikern zu verständigen, hatte das Centrum um so weniger Veranlassung, als dieselben in Oesterreich die „Los von Rom "-Bewegung in Fluß gebracht haben und insbesondere von Sachsen aus fortwährend in Fluß zu erhalten suchen. Am 28. Oktober berichtete Z. B. das von dem Katholiken Oswald Zimmermann herausgegebene Dresdener AnLisemitenblatt „Deutsche Wacht": „Der Verein Deutscher Studenten hatte für Donnerstag Abend 874 Uhr in's Musenhaus zu einem Vortragsabend geladen,' und allenthalben wurde dieser Einladung gern Folge geleistet, galt es doch von zwei der bewährtesten Arbeiter für die „Los von Rom"- Bewegung Vorträge über dieselbe zu hören. Der Saal des Musenhauses war bis auf den letzten Platz von einer in gehobener Stimmung befindlichen Zuhörerschaft gefüllt. Der Evangelische Bund, der Allgemeine Schulverein, der Deutschbund und der Alldeutsche Verband hatten Vertreter geschickt." Gegen einen dem politischen Leben völlig fernstehenden Sohn des deutschen Feldmarschalls, Prinzen Georg von Sachsen, richteten gleichzeitig die „Deutsch - Sozialen Blätter" Liebermann's von Sonnenberg folgende Denunziation: „Ultra monte8. Prinz Max zu Sachsen, der in Bayern als katholischer Priester wirkt, predigte jüngst in der Herz-Jesu-Kirche auf dem Montmartre zu Paris. Die Beiträge zur Erbauung dieser Kirche sind gesammelt worden in der Absicht, Gott möge den Franzosen dazu verhelfen, daß sie an den Deutschen für 1870/71 Rache nehmen und Elsaß-Lothringen wieder gewinnen." In der Besprechung eines Buches „Los von Rom" brachte das antisemitische Organ des Katholiken Zimmermann folgenden Satz: „Die deutsche Bevölkerung in Oesterreich ist der von tschechischen Hetzkaplänen zu politischen Zwecken mißbrauchten und zur Ausrottung des Deutschthums stets bereiten katholischen Kirche längst entfremdet." Wenn solche böswillige Verleumdung der katholischen Kirche in einem Antisemitenblatte steht, wird sie von der „Germania" übersehen; stände eine ähnliche Aeußerung über einen katholischen Priester oder gar über die katholische Kirche in einem von einem Juden herausgegebenen

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