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Im deutschen Reich · 1899-11-01 · Heft 11 (November 1899) · p. 599

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 11 (November 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-11-01
Page
599 (sequence 5)
Language
German
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Umschau. 599 Was will diese Note besagen? Etwa, daß der Kaiser nicht gewollt hat, daß er aber dem Drängen seiner Großmutter nicht habe wider« stehen können? Mit solchen offiziösen Ablenkungen wird das Auswärtige Amt die immer erregter werdende öffentlich« Meinung gegen die Englandreise nicht beruhigen." Im seltsamsten Widerspruch mit dieser scharfen Tonart der antisemitischen Preffe stand ein von dem „Verein deutscher Studenten" an den Staatssekretär Tirpitz abgesandtes Telegramm, in welchem der Admiral ersucht wurde, dem Kaiser von der jubelnden Begeisterung der studierenden Jugend für die neuen Flottenpläne Mittheilung zu machen. Der lediglich antisemitische „Verein deutscher Studenten" ist freilich keineswegs berechtigt, im Namen der „nationalen akademischen Jugend" zu sprechen; immerhin ist unverkennbar, daß selbst dieser Verein nicht mehr vollständig im Fahrwaffer Liebermann's und Zimmermann's segelt und deren Fronde-Stimmung keine Rechnung tragen will. Aber dies macht den Schaden nicht wieder gut, den die Antisemiten früher dadurch angerichtet haben, daß sie die Jugend in das verrohende, wilde Parteitreiben hineinzogen. Nicht mitzuhassen, mitzulieben ist die Jugend da; ihre an klassischen Vorbildern sich erbauende nationale Begeisterung darf nichts gemein haben mit dem verblendeten Haß solcher Parteimänner, welche selbst das Erhabene in den Staub zu ziehen, das hehre Bild der. Patriarchen zu besudeln wagen und sich nicht nur in Dreschflegel-Drohungen ergehen, sondern in leicht entzündlichen Gemüthern jenen wilden Zerstörungstrieb weckt, vor dem jeder Bessergesinnte mit Abscheu zurückschreckt. In derselben Sitzung der Berliner Stadtverordneten-Versammlung, in welcher sich Dr. Gerstenberg zum Dolmetsch deS Zorns der Bürgerschaft über die Schändung der Denkmäler der Siegesallee machte, wurde am 26. Oktober die Angelegenheit, die Ordinariate jüdischer Lehrkräfte an den Berliner Gemeindeschulen betreffend, zum vorläufigen Abschluß gebracht, wobei die Forderung des Simultan- Charakterö der Volksschule, die beste Bürgschaft für den konfessionellen Frieden, gegen eine einzige Stimme allgemein aufrecht erhalten wurde. Der Bürgermeister Kirschner wandte sich gegen diese vereinzelte Stimme, indem er erklärte: „Die Weltauffassungen des Stadtverordneten Pretzel und des Magistrats seien diametral entgegengesetzt. Der Magistrat stehe auf dem Standpunkt, daß er in der Bürgerschaft den konfessionellen Frieden zu fördern und zu pflegen habe, daß alle Konfessionen gleichberechtigt sind und in gleicher Weisebe» rücksichtigt werden müssen. Namentlich habe nach seiner

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