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Im deutschen Reich · 1899-11-01 · Heft 11 (November 1899) · p. 598

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 11 (November 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-11-01
Page
598 (sequence 4)
Language
German
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598 Im deutschen Reich. von der. antisemitischen „Deutschen Wacht" ausgesprochene Erwartung, „daß dann die Juden mit Knüppeln aus den Goldminen hinauSgehauen werden", sich nicht erfüllen wird. Vielmehr wird ihr Patriotismus dann gewiß durch die völlige Gleichstellung belohnt werden, für welche schon vor dem Ausbruch des Krieges der Präsident Krüger persönlich in dankenswerther Weise eingetreten ist. Weit eher wird aber dann ver Knüppel bei denjenigen liegen, welche die auswärtige Politik des Deutschen Reiches während dieses Krieges zu beeinflußen suchten, nicht um dem armen Burenvolk zu nützen, sondern um sich selbst in den Vordergrund zu drängen und die ihnen nicht botmäßigen Staatsmänner zu stürzen. Als Alfred Beit, ein Vertrauensmann von Cecil Rhodes, kürzlich im Auswärtigen Amt in Berlin empfangen wurde, nannte ihn ein Antisemitenblatt „einen jener Juden, die den englischen Naubzug gegen Transvaal hauptsächlich auf dem Gewissen haben". Es fügt hinzu: „Man sagt, er wolle die deutsche Negierung und Finanz für verschiedene Unternehmungen in Südafrika interessieren. Fürst BOmarck hätte einen solchen Kerl vor die Thüre setzen lassen." In diesen Ton stimmt vorsichtiger Weise die sonst mit den Antisemiten durch Dick und Dünn gehende „Kreuz-Zeitung" doch nicht ein; sie bezeichnet sogar ein von Hamburg aus an den Kaiser abgesandtes Telegramm, in welchem der Monarch ersucht wurde, auf den Plan seiner Reise nach England zu verzichten, als „ungehörig" und als einen Eingriff in die ölechte der verantwortlichen Rathgeber der Krone. Die radikalen Antisemiten betrachten aber das,wasihreParteiblätter in Bezug ausihreBeurtheilung dieses Reiseplans, überdas Abschieds-Telegramm desKaisers an das erste englischeDragoner- Regiment und über die ganze auswärtige Politik der Reichsregierung in letzter Zeit geleistet haben, als eine Art von Kraftprobe. Die sonst mit ihrer monarchischen Gesinnung prunkende „Staatsbürger-Ztg." leistete sich am 4. November ein förmliches Ultimatum. Sie schrieb: „W i r möchten erneut den maßgebenden Stellen nahe, legen, zu prüfen, ob es nicht besser wäre, von der Reise endgiltig Abstand zu nehme n." Hierzu scheint man allerdings im Auswärtigen Amte keine Neigung zu besitzen. Aus dieser Quelle stammt offenbar die nachfolgende offiziöse Note: „„Der Kaiser geht um den 20. November nach England, vermuthlich auf 14 Tage. Die Einladungen der Königin datieren, wie wir hören, aus dem Frühjahr. Sie hatte den Oktober für die Anwesenheit des Kaisers gewünscht. Auf seine Entschuldigung, daß er um diese Zeit nicht kommen könnte, hat sie wider Erwarten den November vorgeschlagen. Ein Minister wird den Kaiser nicht begleiten.""

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