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Im deutschen Reich · 1899-11-01 · Heft 11 (November 1899) · p. 597

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 11 (November 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-11-01
Page
597 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. 597 „Libre parole“ des französischen Haupthetzers Drumont, theilS dem Wiener „Deutschen Volksblatt" Vergani's oder dem „Bayerischen Vaterland" deS bekannten „Preußenfressers" Dr. Sigl. Selbst die „Kreuz-Ztg." schämt sich nicht, dem Vergani'schen Blatte ganze Geschichten nachzudrucken, trotzdem ihr wahrlich der Charakter und das ganze wüste Treiben der Leiter dieses Wiener Organs und seiner Hintermänner vollständig bekannt sein müßten. Genau so übel, wie mit dem „nationalen" Charakter der Antisemiten, ist es mit der stets von ihnen so ostentativ zur Schau getragenen monarchischen Gesinnung bestellt. Die Erfolge, die sie an vielen Stellen mit dem Terrorisieren der Behörden errungen haben, ließen ihren Uebermuth derartig anschwellen, daß sie denselben Ton auch gegen die höchsten Reichsbehörden anschlagen zu dürfen glaubten. Die natürliche Sympathie, welche weite Kreise in Deutschland dem seine Unabhängigkeit heldenmüthig gegen das britische Weltreich vertheidigenden kleinen Burenvolk widmen, haben die Antisemiten für ihre Parteizwecke auszunutzen versucht, indem sie an vielen Orten Versammlungen veranstalteten, in welchen Resolutionen zu Gunsten der Buren beschlossen wurden. Es war unschwer vorauszusehen, daß sich an diesen Kundgebungen zahlreiche Personen betheiligen würden, welche der antisemitischen Bewegung gänzlich fernstehen. Ob diese Gäste der deutsch-sozialen Reformpartei sämmtlich wirklich erbaut waren von den für die Neichsregierung zum Theil nicht gerade schmeichelhaften Reden, mit welchen die in jenen Versammlungen angenommenen Resolutionen gewöhnlich begründet wurden, ist ebenso zweifelhaft, wie daß sie sämmtlich sich von der antisemitischen Unterstellung täuschen ließen, daß die Juden in England oder in Transvaal irgend eine Schuld an dem Ausbruch des Krieges tragen. Bekanntlich stießen Ströme jüdischen Blutes auf beiden Seiten und wird besonders der Wohlstand der jüdischen Bewohner Johannesburgs arg zerrüttet. Die Behauptung antisemitischer Blätter, daß die Juden in Transvaal ihre vaterländischen Pflichten verleugnet hätten, ist von der als Gesandtschaft deS Burenstaates für Europa fungierenden Agentur von Transvaal in Brüssel offiziell widerlegt worden. Dieselbe machte amtlich bekannt, daß sich unter den Truppen der südafrikanischen Republiken ein FreicorpS von 200 jüdischen Freiwilligen befindet. Außerdem sind zahlreiche schon länger ansässige jüdische Bürger von Transvaal, die das Bürgerrecht besitzen, mit den regulären Truppen der Buren eingezogen worden und ausmarschiert. Der Ausgang des Krieges ist zweifelhaft, aber soviel ist bereits sicher, daß, falls das Glück den afrikanischen Republiken dauernd günstig sein sollte, die

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