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Im deutschen Reich · 1899-11-01 · Heft 11 (November 1899) · p. 596

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 11 (November 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-11-01
Page
596 (sequence 2)
Language
German
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696 3tn deutschen Aeich. Führer ausschließlich nach dem Maßstab politischer Fähigkeit zu treffen. Der Mangel an Jntelligenz und Bildung innerhalb der antisemitischen Partei ist eS aber ficher nicht allein, welcher den befferen Theil der deutschen studierenden Jugend derselben entfremdet, sondern weit mehr ist es die in dieser Partei waltende Unwahrhaftigkeit, gegen welche der gesunde Sinn der gebildeten Jugend stch auflehnen muß. Es konnte ihr auf die Dauer nicht entgehen, daß die phrasenreiche antisemitische Verherrlichung von Thron und Altar, Vaterland und Sitte nur dazu dient, die ärgsten Umsturzbestrebungen zu bemänteln. Der nationale Gedanke aber ist es, welcher die deutsche Jugend zu jener Gluth entflammt, an welcher die berufsmäßigen Hetzer die mittelalterlichen Scheiterhaufen zu entzünden gedachten. Sie selbst sind im Grunde weder patriotisch noch national, denn sie zögern keinen Augenblick, mit den erbittertsten Feinden des Deutschthums sich zu verbrüdern, wenn diese nur ihrem Judenhaß Vorschub leisten und ihnen Material für ihr entsetzliches Verleumdungs- und Hetzhandwerk liefern. Seine „deutsche" Gesinnung hinderte den Redakteur des Münchener antisemitischen Volksblattes Ludwig Wengg nicht, am 17. Oktober in Prag mit dem antisemitischen österreichischen Reichstagsabgeordneten Ernst Schneider, dem radikalen czechischen Landtagsabgeordneten Barxa und dem antisemitisch-czechischen Redakteur Jaromir Husek, in intimster Weise zu verkehren. Nach seiner Rückkehr nach München rühmte er sich dessen sowie seiner Fahrt nach Polna, von der er allerlei Hetzbilder mitbrachte, die er in der am 21. Oktober veranstalteten Versammlung vorzeigte, wobei er von den Juden die grausigsten Dinge zu erzählen wußte. Rur etwa fünfzig Personen hatten sich zu dieser Versammlung eingefunden und der frostige Empfang, den Wengg in derselben fand, zeigte deutlich, daß selbst in diesen Kreisen Münchens die internationale Thätigkeit der antisemitischen Führer ernste Bedenken erregt. Wie Wengg bei dieser Gelegenheit, so enthüllte Karl Sedlatzek den internationalen Charakter der judenfeindlichen Bewegung, indem er einen Aufruf erließ, der mit den Worten begann: „Antisemiten aller Länder, vereinigt Euch zum Kamps gegen das Judenthum!" und in welchem er „den biederen deutschen Spießbürger" verhöhnte, „den ein gelindes Grauen erfaßt, in gewissen Dingen mit dem Erbfeind, dem Franzosen, Hand in Hand zu gehen". Die Wengg und Sedlatzek stehen aber mit ihren internationalen Treibereien durchaus nicht vereinzelt da; was ein solches „enfant terrible" der antisemitischen Bewegung unvorsichtig ausplaudert, das treiben seine klügeren Gesinnungsgenossen im Verborgenen. Uebrigens entlehnen die meisten deutschen Antisemitenblätter' ihre kräftigsten Sätze theils der

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