Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 11 (November 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-11-01
- Page
- 595 (sequence 1)
- Language
- German
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595 »rder die rastlose Auffrischung längst widerlegter Ritualmord' Märchen noch die ermüdend« Wiederholung von mit frömmeln« den Phrasen verbrämten Dreschflegelreden vermögen den Antisemitismus über den. rodten Punkt hinwsgzuhelfen, auf dem er nach dem Zeugniß des Sachkenners Liebermann von Sonnenberg endlich angelangt ist. In der dürftig besuchten Hauptversammlung des sächsischen Landesvereins der deutsch - sozialen Reformpartei berichtete am 22. Oktober der erste Vorsitzende, Oswald Zimmermann, daß die Organisation in einzelnen Kreisen sehr im argen liege und die Lage der Kaffe keine gute sei, weshalb auf die längst geplante Anstellung eines Parteisekretärs wiederum verzichtet werden mußte. Aber nicht nur von Liebermann und Zimmermann, diesen alten Rufern in Streit, wird die jetzige Lage der antisemitischen Partei ungünstig beurtheilt; auch andere Vorkämpfer derselben bekennen offen, daß sie jetzt keinen Grund haben, mit den Erfolgen ihrer Thätigkeit zufrieden zu sein. In einem recht offenherzigen Artikel der „Antis. Korrespondenz" wird es insbesondere als ein bedenklicher Umstand bezeichnet, daß in der gebildeten Jugend das Jntereffe für die antisemitische Partei nicht niehr in so starkem Maße ausgeprägt sei, wie dies früher der Fall gewesen. Der Verfaffer des Artikes (W. G. — wohl Dr. W. Giese?) sagt: „In der antisemitischen Hochfluth, Anfang der neunziger Jahr«, beherrschten wir thatsächlich den deutschen Nachwuchs vollkommen. Heute ist der von uns gern gebrauchte Ausdruck „wir haben die Jugend, deshalb gehört uns die Zukunft" nicht mehr am Platze. Welcher Jungdeutsche begeisterte sich damals für die alten Parteien? Ganz besonders aber haben wir in der akademischen Jugend an Anhang verloren. Ich habe bis vor kurzem zu ihr in engen Beziehungen gestanden und mich in Kreisen bewegt, die zusolge ihres ausgesprochen antisemitischen Standpunktes zur Antheilnahme an unsern Parteibestrebungen vornehmlich prädestiniert erscheinen sollten. Und doch mußte ich die Erfahrung machen, daß die einstmalige Hinneigung zu unserer Partei als solcher einer theils ablehnenden, theils abwartenden Haltung Platz gemacht hat." Der Verfasser warnt deshalb seine Parteigenossen davor, lediglich die „kleinen Leute" zu umwerben und Kandidaten nur deshalb aufzustellen, weil sie dem werkthätigen Volke angehören; er räth, die Neuwahl der 40'