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Im deutschen Reich · 1899-10-01 · Heft 10 (Oktober 1899) · p. 558

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 10 (Oktober 1899)
Article
[Ohne Titel]
Date
1899-10-01
Page
558 (sequence 3)
Language
German
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558 3m deutschen Reich. gönnen könne. Aehnlich verhalte es sich mit einem Freispruche des Krefelder Gerichts, welches den Redakteur Jakob Jöken wegen seines niedrigen Bildungsgrades und der geringen Verbreitung seines Blattes trotz des aufreizenden Inhalts der von ihm abgedruckten Pückler-Nede straflos ließ. Ein dritter antisemitischer Fanatiker, der Kolporteur Neumann-Fernthal, welcher wegen groben Unfugs in den Straßen Berlins schon früher wiederholt mit kleinen Geldstrafen belegt wurde, sei neuerdings endlich zu erheblicheren Geldstrafen verurtheilt worden. Das Organ Ahlwardt's, das „Deutsche Schwert", sei eingegangen, und dabei habe die Post durch Rückzahlung des Abonnementspreises, wie ein hiesiges Blatt bemerkte, den überraschenden Beweis geliefert, daß man auch von Ahlwardt Geld zurückerhalten könne. Hierbei drückte der Redner sein lebhaftes Bedauern über Angriffe aus, welche die Juden empfindlicher berühren, weil sie von einer Seite kommen, von der sie solche Angriffe nicht erwarten, nämlich von dem Organ der katholischen Centrumspartei, deren Führer doch im Parlament für die Glaubensfreiheit der Juden wiederholt in dankenswerthester Weise eingetreten seien. Mindestens ebenso bedauerlich wie die heftigen Angriffe der „Germania" sei aber der Anlaß, welcher dieselben hervorrief. Thatsächlich sei die Leistung des „Ulk" geeignet gewesen, katholisches Empfinden zu verletzen und der christlichen Gesellschaft Grund zu gerechten Beschwerden, nicht über die Juden, sondern über die christlichen Redakteure des gedachten Blattes zu geben. Die Redaktion der „Germania" hätte sich freilich sagen muffen, daß es nicht „die Juden" seien, welche im „Ulk" religiöse Gefühle verletzt hätten; sie durfte in keinem Falle allen Juden in die Schuhe schieben, was diese weder verschuldet haben, noch je billigen werden. So sehr wir alles mißbilligen, was das religiöse Gefühl Andersgläubiger verletzt, so entschieden verurtheilen wir es aber auch, daß ein Blatt, welches die Centrumspartei zu vertreten vorgiebt, bei jeder Gelegenheit in das antisemitische Horn stößt und in Ahlwardt-Manier den Juden alles an die Rockschöße zu hängen sucht, was ihm selbst und andern' mit Recht mißfällt. Hierauf brachte der Vorsitzende zur Sprache, daß eine Berliner Schulvorsteherin die Aufnahme jüdischer Schülerinnen von der Theilnahme am christlichen Religionsunterricht abhängig macht, und hob hervor, daß diese Dame wenigstens ihre Gesinnung deutlich und ehrlich bekenne; für das Verhalten derjenigen jüdischen Eltern aber, welche ihre Töchter einer so offen bekannten Absicht christlicher Beeinfluffung ferner aussetzen würden, sei kein Ausdruck des Tadels scharf genug. Die jüdischen Eltern hätten, ihre Ehre zu

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