Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-10-01
- Page
- 542 (sequence 9)
- Language
- German
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642 Im deutschen Reich. leuchteter Liebe und Duldung." Um so befremdlicher ist eS, daß trotzdem einzelne katholische Organe, wie die „Germania" und die „Märk. Volkszeitung", noch immer mit den Antisemiten liebäugeln und es vollständig ignorieren, daß die antisemitischen Parteiblätter das Centrum in der gehässigsten Weise anfeinden. Ganz abgesehen von den blutrünstigen Schreibereien Karl Sedlatzek's im „Deutschen Generalanzeiger" und von den Schimpfereien Ludwig Wengg's im Münchener „Deutschen Volksblatt" über das maßvollste CentrumL» Organ, di« „Köln. Volkszeitung", beweisen auch die Aeußerungen der „Deutschen Wacht", daß selbst einzelne von der antisemitischen Strömung mit fortgerissene katholische Redakteure den milden päpstlichen Weisungen schnöde Hohn sprechen. So wendet sich Oswald Zimmermann in der „Wacht" gegen das „ungesunde römische Wesen" und fügt hinzu: „Front gegen Rom! Front gegen Juda! das ist unsere Losung. Wir werden unserem Ziele näher kommen, das mögen sich die Herren vom Centrum wie die mit den krummen Nasen gesagt sein lasten!" Die „Germania" druckt diesen Artikel ab und bemerkt dazu: „Diese Proben allein sind vollauf genügend, den Antisemitismus auch in seinem Haß gegen die katholische Kirche und gegen das Centrum als die politische Vertretung der Katholiken Deutschlands zu kennzeichnen." Hoffentlich beherzigt es die „Germania", daß es der von ihr stets so kameradschaftlich unterstützten antisemitischen „Staatsbürger-Ztg." besondere Befriedigung gewährte, ein ihr angeblich von einem angesehenen hessischen Herrn zugegangenes Schreiben zu veröffentlichen, welches mit den Worten schließt: „Daß in Ihrer Zeitung für Lieber und Consorten auch zuweilen ein kräftiger Seitenhieb abfällt, ist ein hübscher und wohlthuender Zug. Diese Kerle sind ja auch mehr ultramontan als deutsch und ihre Politik gleicht, wie Sie treffend bemerken, dem Kuhhandel. Ich bin mit einem wohlgemeinten „Glückauf!" Der Ihrige." Ter bergmännische Gruß am Schluffe des eine kräftige Reklame für die „Staatsbürger-Zeitung" enthaltenden Brieses läßt vermuthen, daß dieser nicht aus Hessen, sondern aus dem Theile des sächsischen Erzgebirges stammt, wo es nur sehr wenige Juden giebt und es den antisemitischen Hetzern deshalb leicht wird, dieselben in den schwärzesten Farben zu schildern. In einzelnen sächsischen Städten, in welchen eine größere Anzahl Juden vorhanden ist, verfängt dieses kecke Spiel bereits nicht mehr, und diese Wahrnehmung erbittert die antisemitische Presse derartig, daß sie sich in den heftigsten Schmähungen gegen diejenigen Amtsblätter ergeht, die eine objektive Haltung bewahren.