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Im deutschen Reich · 1899-10-01 · Heft 10 (Oktober 1899) · p. 538

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 10 (Oktober 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-10-01
Page
538 (sequence 5)
Language
German
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538 Im deutschen Reich. dulden, wir sie sich in Paris herausgebildet haben, und daß rS dem Redakteur des Anti-Lassalle nicht gestattet ist, in der Friedrichstraße in Berlin den Redakteur des „Antijuif" in der Rue de Chabrol in Paris zu kopieren. Die dort gemachten Erfahrungen sollten allgemein als Warnung dienen, denn es hat der französischen Regierung wahrlich Mühe genug gemacht, aus der Situation herauszukommen, welche der Antisemitismus der Generalstäbler geschaffen hatte und von welcher die Umsturzlüsternen auf alle Weise Vortheil zu ziehen suchten. Bei der Abendgesellschaft, welche im Kanzlerpalast am Wilhelmsplatze zu Berlin am 28. September stattfand, soll nach einer Meldung des „Figaro" Fürst Hohenlohe zu dem französischen Delegierten auf dem Geographen-Kongresse, Gaston Routier, gesagt haben: „Bei der traurigen Dreyfus-Frage hat Ihre Regierung Beweise von viel gesundem Menschenverstände und Ernst gegeben. Der Sturmwind ist heute vorbei; diese Frage ist erledigt und dies dank der Haltung Ihrer Regierung. Die Lage war sehr schwierig. Was konnte man thun? Ihr Generalstab war nicht im Spiele. Das Kriegsgericht von Rennes hatte ein Urtheil mit mildernden Umständen gefällt, das war eine vernünftige Art, den Mangel der Beweise gegen Dreyfus anzuerkennen. Ihre Regierung hat durchaus wohl daran gethan, diesen Unschuldigen zu begnadigen, sie hat sich aus der schwierigen Sache zu ihrer und Frankreichs Ehre gezogen; jetzt wird Ruhe in den Geistern wiederkehren, man wird vergeffen, man wird bei ihnen arbeiten." Den angeblich drohenden Ausstellungs-Boykott bezeichnte der Reichskanzler als thöricht; es sei unsinnig, Frankreich für einen Justizirrthum verantwortlich zu machen. Die Deutschen würden in Massen zur Ausstellung kommen, denn es sei im Jntereffe Deutschlands, auf diesem Gebiete des Fortschritts und der Geschäfte mit Frankreich zu rivalisieren. Ueber diese Aeußerung des deutschen Reichskanzlers ist die antisemitische Preffe natürlich wenig erfreut. Die „Deutsche Tages- Zeitung" meint: „Es kann dem gewiegten Diplomaten nicht in den Sinn gekommen sein, Dreyfus, der von einem französischen Kriegsgericht verurtheilt ist, als e i n e n U n s ch u l d i g e n zu bezeichnen. Wir nehmen daher an, daß hier eine falsche Berichterstattung vorliegt, wie denn auch Fürst Hohenlohe, als er von der Betheiligung Deutschlands an der Pariser Weltausstellung sprach und sie in reichstem Maße in.Aussicht stellte, das Rennenser Urtheil unmöglich einen „I u st i z i r r t h u m" genannt haben kann." Auch von den „Ham-

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