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Im deutschen Reich · 1899-10-01 · Heft 10 (Oktober 1899) · p. 523

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 10 (Oktober 1899)
Article
Verleumdungen und Irrthümer
Date
1899-10-01
Page
523 (sequence 3)
Language
German
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Verleumdungen und IrrLhümer. 523 Noch trauriger als die durch die Cohn'sche Broschüre hervorgerufenen Verleumdungen der „Deutschen Wacht" muß uns der derselben Schrift gewidmete Aufsatz in der „Hilfe" stimmen, obgleich wir es hier nur mit Jrrthümern, nicht mit Verleumdungen zu thun haben. Bekanntlich verdient Pastor Naumann, der Herausgeber der „Hilfe", der den uns hier interessierenden Aufsatz verfaßt hat, auch die Hochachtung aller derjenigen, welche seinen religiösen und politischen Ansichten femftehen. Von den Antisemiten ist er vielfach angefeindet worden, weil er ihr Treiben energisch verurtheilt hat. Naumann erklärt nun, in der Cohn'schen Schrift einen Beweis dafür sehen zu müssen, daß es thatsächlich eine „Judenfrage" gebe, weil die Juden ein „anderer Stamm als die Deutschen" seien. Cohn behauptet dies allerdings. Seine Ausführungen gipfeln aber in dem Satze: „Gegentheilige Behauptungen aus unserer Mitte können daran nichts ändern, auch die Außenwelt hat hier ein Wort mitzureden" (S. 6). Also darin, was außerhalb des Judenthmns Stehende, nämlich die Antisemiten, behaupten, sieht Bernhard Cohn einen Beweis seiner Ansicht, und seine Behauptungen sind wiederum für Pastor Naumann maßgebend, weil sie von einem Juden ausgehen. Man braucht Cohn gegenüber nur darauf zu verweisen, daß Mommsen, der doch wohl mehr Sachkenntniß hat als Ahlwardt und Liebermann von Sonnenberg, noch unlängst den verstorbenen Ludwig Bamberger als den deutschesten aller Deutschen feierte, und daß der uns garnicht besonders wohlgesinnte christliche Professor Paulsen den verstorbenen Chajim Steinthal als Urbild eines deutschen Gelehrten pries. Da nach Cohn ja „die Außenwelt auch ein Wort mitzureden" hat, müßte er uns also als Deutsche ansehen, und Naumann, dem das Urtheil der Juden selbst das Entscheidende zu sein scheint, wird vielleicht auch die vielen Tausende Mitglieder des Centralvereins für noch so maßgebend wie Herrn Cohn halten. Deshalb, weil Naumann sich mit Recht aus deutschem Patriotismus gegen Cohn's Schrift wendet, hätte er dessen Abstammungsgenossen noch nicht für fremd zu erklären brauchen. Nicht in deutsch-patriotischem Sinne schreibt z. B. doch auch der bekannte preußenfresserische Bayer Sigl. Sicherlich wird doch Niemand um Sigl's willen die Bayern für einen fremden Stamm halten.

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