Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1899)
- Article
- Verleumdungen und Irrthümer
- Date
- 1899-10-01
- Page
- 524 (sequence 4)
- Language
- German
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3m deutschen Reich. 584 Naumann giebt zwar zu, daß zahlreiche Juden weder Cohn's religiöse noch seine politischen Anschauungen theilen, erklärt es aber doch für wahrscheinlich, daß die von Cohn vertretene „Mischung religiöser und politischer Anschauungen unter jüngeren gebildeten Juden häufig" sei. Das ist entschieden zu bestreiten. Schreiber dieser Zeilen kennt eine große Anzahl von „jüngeren gebildeten Juden"; aber selbst in der Minorität unter diesen, die überhaupt noch ein Interesse für jüdische Angelegenheiten hat, ist keiner, der Bernhard Cohn's religiöse und politische Ansichten theilt. Cohn ist auch selbst kein junger Mann. Was der Besprecher seiner Schrift in der „Hilfe" für „Optimismus und Feuer jugendlicher Art" hält, find gerade Gedanken eines alten Mannes, der in thörichtem Schelten auf die ganze ihn umgebende Welt, auf seine Glaubensgenossen, wie den Staat, in dem er lebt, in unerfüllbaren Zukunftshoffnungen und in einem Bilde der Vergangenheit, das den Ergebnissen historischer Forschungen widerspricht, Trost für das Unrecht sucht, welches ihm seiner Ansicht nach von den Behörden zugefügt worden ist. Freilich trifft diesen jüdischen Michael Kohlhaas, selbst wenn ihm wirklich schweres Unrecht von autoritativer Seite zugefügt sein sollte, doch der Vorwurf, Vaterlandsliebe und Besonnenheit in seinem Grolle ganz außer Acht gelassen zu haben. Naumann meint, daß Cohn Zionist sei, werde nur an einer Stelle angedeutet, zeige sich aber im ganzen Gedankengange. In der That wollen diejenigen Juden, welche sich Zionisten nennen, ganz Verschiedenes. Manche bezeichnen sich nur deshalb so, weil sie die aus Rußland vertriebenen Juden in Palästina ausiedeln wollen. Ebenso wenig wie hiervon, findet sich von dem unausführbaren-Hertzl'schen Vorschläge, in Palästina »in Judenreich zu gründen, in der Cohn'schen Broschüre eine Spur. Gebrauchen wir aber selbst den Namen Zionisten für diejenigen Juden, die wie Cohn eine noch schlimmere Utopie, nämlich politische Organisation der gesammten Judenheit, erstreben, so könnte er doch in keiner Weise für solche Leute, deren Zahl übrigens gewiß sehr klein ist, als typisch gelten. Cohn's Broschüre „Vor dem Sturm" enthielt noch keine Spur von Zionismus. In dieser rieth Cohn, alles zu vermeiden, was Neid und Mißstimmung unter unseren Mitbürgern wecken könnte, z. B. den-Besuch von