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Im deutschen Reich · 1899-10-01 · Heft 10 (Oktober 1899) · p. 522

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 10 (Oktober 1899)
Article
Verleumdungen und Irrthümer
Date
1899-10-01
Page
522 (sequence 2)
Language
German
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522 Im deutschen Reich. ihn bester kaum uns denken können." Nach der Ansicht der hervorragendsten christlichen Gelehrten, die sich mit den einschlägigen Fragen beschäftigt haben, enthält aber der Talmud gar keine Herabsetzung des Christenthums, hingegen viele von allgemeiner Menschenliebe zeugende Aussprüche, welche die Bedeutung anderer garnicht gegen Monotheisten, sondern gegen babylonische Sternanbeter gerichteten Sätze erheblich abschwächen. Auch haben bekanntlich die einzelnen Sätze des Talmuds für viele Bekenner des Judenthums nicht mehr Werth, als für die Protestanten die Aussprüche der mittelalterlichen Päpste und Konzilien. Während die „Deutsche Wacht" aus Cohn's Buch Waffen gegen die Juden in ihrer Gesammtheit schmiedet, haben ihr die Angriffe auf unseren Verein und das Verlangen nach Judenschulen, sowie nach sonstiger Isolierung der Juden recht gut gefallen. Deshalb versagt sie es sich nicht, dem Manne „mit der jüdischen Frechheit" und der „Talmudjuden" „Anerkennung zu zollen". Wahrlich, wenn der Versaffer der „jüdisch-politischen Zeitsragen" sich noch ein Restchen ruhiger Ueberlegung gewahrt hat, muß ihm jene „Anerkennung" mehr Schmerz bereiten als jeder von jüdischer oder christlicher Seite gegen ihn ausgesprochene Tadel. Selbstverständlich verbreitet die „Deutsche Wacht" auch gewiffe Anklagen Cohn's gegen seine eigenen Glaubensgenoffen, die dieser selbst, wenn sie von einem Antisemiten niedergeschrieben wären, für nichtswürdige Verleumdungen erklären würde. Auch wenn antisemitische Benutzung von Aussprüchen, wie „das Schachern kommt uns nicht aus den Gliedern", „uns ist der Maßstab für die Beurtheilung idealer Werthe vollständig verloren gegangen", nicht zu fürchten gewesen wäre'), müßte die Publikation solcher Aussprüche doch als recht werthlos angesehen werden. Auch diese Aussprüche stnd ganz unzulässige Verallgemeinerungen und, da jeder jüdische Leser denkt, daß gerade er doch eine Ausnahme bilde, so können sie nie die heilsame Wirkung einer objektiv gehaltenen Schilderung bestehender Mißstände und daran geknüpfter Mahnungen zur Besserung haben. *) Auch die „Deutsch-Sozialen Blätter" des Herrn Liebermann von Sonnenberg „freuen sich" über Cohn's „unverschämte Ehrlichkeit" und drucken die Schilderung jener „von zuständiger Seite bloßgestellten Unarten", wie sie sie nennen, gern nach.

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