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Im deutschen Reich · 1899-10-01 · Heft 10 (Oktober 1899) · p. 521

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 10 (Oktober 1899)
Article
Verleumdungen und Irrthümer
Date
1899-10-01
Page
521 (sequence 1)
Language
German
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521 Verleumdungen und Irrthümer. ,n dem im vorigen Heft dieser Zeitschrift veröffentlichten wwä« Aufsatze: „Ein sonderbarer Angriff auf unseren Verein" sagte ich in Bezug auf die kürzlich erschienene Broschüre: „Jüdischpolitische Zeitfragen von Dr. Bernhard Cohn", daß derartige ohne genügende Sachkenntniß verfaßten Bücher: „Staat und Gesellschaft schädigen". Dies ist vor allem auch deshalb der Fall, weil „sie nur allzu oft von unerfahrenen oder böswilligen Gegnern einzelner menschlicher Gemeinschaften als Ausdruck der Ansichten und Bestrebungen ganzer sozialer, politischer oder religiöser Gruppen genommen" werden, „während sie doch nur die Stimmungen eines mit den einschlägigen Verhältnissen wenig vertrauten Einzelnen spiegeln". Die in diesen Worten*) enthaltene Befürchtung, daß dieses Buch in christlichen Kreisen Jrrthümer und Verleumdungen Hervorrufen und so der Giftpflanze des Antisemitismus neue Nahrung zuführen werde, hat sich leider bestätigt. Ein längerer Artikel in dem bekannten antisemitischen Hetzblatts: „Deutsche Wacht" (17. Aug. 1899) und ein solcher in der von Pastor Naumann herausgegebenen Wochenschrift >,Die Hilfe" beschäftigen sich speziell mit Cohn's Schrift. Leider enthält diese Schrift unsagbar thörichte und beklagenöwerthe Aussprüche über die Geschichte des deutschen Volkes und der christlichen Religion. Bei einem Blatte, das wie die „Deutsche Wacht" aus der Hetze gegen die Juden ein Gewerbe macht, kann man sich nicht wundern, daß es die lediglich von Unkenntniß und Taktlosigkeit eines einzelnen Juden zeugenden Schmähungen nicht als „Frechheit des Bernhard Cohn", sondern als „jüdische Frechheit" charakterisiert. Cohn's Ausführungen werden nach der bekannten, aller Gerechtigkeit widerstreitenden Methode der Gesammtheit der Juden zur Last gelegt. Das edle Blatt sagt: „In seiner Stellung zum Nichtjuden in konfessioneller wie in nationaler Beziehung zeigt sich Bernhard Cohn als Talmudjude, wie wir *) Sie waren schon geschrieben und gedruckt, als die weiter unten im Text genannten Besprechungen erschienen.

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