Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1899)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1899-10-01
- Page
- 519 (sequence 7)
- Language
- German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 519 andere von solchem verabscheuungswürdigen Schritt zurückhalten werde". Mit der ganzen Kraft seiner sittlichen Persönlichkeit trat Kosch für das geschmähte Judenthum in die Schranken. „Wenn diese Saat aufginge — so ruft er gegen Ende seiner Rede aus — so würde der Staat, dem wir angehören und dem wir mit Freude und Begeisterung angehören, von der Höhe, die er durch seine Bildung, durch seine Toleranz seit Jahrhunderten erreicht und die ihm den ehrenwerthen Titel des Staates der Intelligenz verschafft hat, von dieser Höhe wieder herabstürzen." Die böse Saat ist aufgegangen; und nur sehr langsam bricht die Erkenntniß sich Bahn, daß die judenfeindliche Bewegung in Wahrheit die Grundfesten des Staatslebens in's Wanken bringt. Der Vorkämpfer für die Gleichberechtigung der Juden in Preußen hat freilich diese trüben Zeiten nicht mehr erlebt. Unmittelbar nach jener Sitzung des Abgeordnetenhauses warf eine Verschlimmerung seines Leidens ihn auf das Krankenlager. Sein Freund und Fraktionsgenosse Dr. Löwe-Calbe, der ihn behandelte, hoffte um so mehr, ihn recht bald wiederherstellen zu können, als durch die gastliche Aufnahme, die der Präsident v. Forckenbeck dem Kranken in seiner Amtswohnung gewährte, für Ruhe und gute Pflege gesorgt war. Aber das Befinden verschlimmerte sich. Er wurde nach dem jüdischen Krankenhause überführt, wo er nach mehrwöchigem Krankenlager trotz sorgfältigster Behandlung und Pflege am 27. März 1872 starb. Die Berliner jüdische Gemeinde veranstaltete am 31. März eine Trauerfeier in der Synagoge, bei welcher Geiger und Löwe-Calbe sprachen. In Königsberg, wohin die Leiche überführt wurde, fand nach einem Trauergottesdienst in der Synagoge unter ungeheurer Betheiligung am 4. April das Leichenbegängniß statt. Im Gotteshause hielt der hiesige Rabbiner, Dr. Bamberger, die Gedenkrede, am Grabe rief der Landtagsabgeordnete Dr. Bender-Catharinenhof dem verstorbenen Freunde einen Abschiedsgruß nach. Kosch's Thätigkeit erschöpfte sich keineswegs in der Ausübung seines Abgeordnetenmandats. Er hat bis in die letzten Jahre die große Praxis, die sein Ruf als wissenschaftlich hervorragender und praktisch außerordentlich tüchtiger und gewissenhafter Arzt ihm verschafft hatte, wahrgenommen. Daneben fand er noch Zeit und