Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1899)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1899-10-01
- Page
- 520 (sequence 8)
- Language
- German
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520 Im deutschen Reich. Kraft, als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und lange Zeit hindurch als Mitglied und Vorsitzender der Repräsentantenversammlung für das Wohl der Stadt und der jüdischen Gemeinde thätig zu sein. Er starb unvermählt. Das sehr beträchtliche Vermögen, das er durch seine ärztliche Praxis, die er zum Theil in den Häusern des ostpreußischen Adels ausübte — so war er z. B. Hausarzt im gräflich Eulenburg'schen Hause — sich erworben hatte, bestimmte er nach Abzug einiger Legate und kleinerer Summen zu wohlthätigen Zwecken größtentheils zur Errichtung einer Waisenerziehungsanstalt in Königsberg, die seinen Namen trägt und nach seiner letztwilligen Verfügung die Zöglinge vorzugsweise zu Handwerkern u. dgl. ausbilden soll. Ein lauterer, uneigennütziger Charakter war mit ihm dahingegangen, ein scharfer Geist, der durch die Sicherheit seiner Beweisführung in der Geltendmachung des Rechts, durch die Reinheit seines Wollens, die Makellosigkeit seines Lebens, durch die versöhnliche Achtung, die er auch den Gegnern zollte, durch seine Milde und Menschenfreundlichkeit sich auch die Hochachtung der Gegner errang. „Er war aus dem Kampfe ohne persönliche Feinde hervorgegangen; hatte er ihn doch niemals mit Gehässigkeit geführt. Zu allen Zeiten war für ihn die Menschenliebe eine praktische Forderung. In ihm waltete ein versöhnendes Prinzip, und der Charakter seiner innersten Natur war ein tiefes Streben nach Frieden. Das Ideal seines arbeitsvollen Lebens war die Befreiung der ganzen Menschheit und durch sie die Befreiung des Individuums/") Die Juden in Preußen aber sind ihm zu ganz besonderem Danke verpflichtet. Was Riesier für die deutschen Juden im allgemeinen, das ist Kosch für die Juden in Preußen gewesen. Gegen die mittelalterlichen Vorurtheile hat er angekämpft, die uns zu Bürgern zweiter Klasse Herabdrücken. Vom allgemein gesetzlichen und freiheitlichen Standpunkte aus hat er als unser Recht gefordert, was bis dahin meist nur schüchtern als ein Geschenk erbeten worden war. Und wenn er stets als ein leuchtendes Vorbild echter Bürgerlugend allen denen vor Augen stehen wird, die für Freiheit und Recht kämpfen, so dürfen wir preußischen Juden eine stolze Befriedigung empfinden in dem Gedanken: Er war unser. *) Aus Lowe's Rede bei dem Trauergottesdienst.