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Im deutschen Reich · 1899-09-01 · Heft 9 (September 1899) · p. 510

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 9 (September 1899)
Article
Lazarus, Prof. Dr. M., [Rezension]
Date
1899-09-01
Page
510 (sequence 9)
Language
German
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510 3m veutschen Reich. einem jüdischen Gesetzeskodex befohlen, von einer jüdischen Theologenschule als Methode ausgeübt ist, noch heute maßgebend sein sollte, und wenn sich dann Unvereinbarkeiten ergeben, so dürfte das Nämliche auch vom Christenthum gelten; auch die Art, wie Paulus das Alte Testament interpretiert, ist bekanntlich von Auswüchsen künstlicher rabbinischer Allegorese nicht frei. Daß Lazarus gegenüber solcher rabbinischen Deutekunst keiner Schönfärberei sich schuldig macht, dafür möchte ich nur eine Stelle seines Buches zitieren (S. 365): „Es läßt sich nicht leugnen, daß unter dieser Methode (richtiger gesagt: Unmethode) freier Auslegung des Bibelwortes — bei welcher der Zusammenhang des einzelnen Satzes mit dem Ganzen der Rede oder vollends des Buches, in dem er sich befindet, ebenso außer Acht gelassen wird wie der spezifische Geist oder Styl des Autors und noch mehr die historischen Umstände, unter denen der Satz entstanden ist und auf welche er sich bezieht — die strenge, sachgemäße und wissenschaftliche Interpretation vernachlässigt wird. Es muß als eine historische Thatsache festgestellt werden, daß dabei allmählich die Kunst, die Neigung und sogar die Fähigkeit, das Bibelwort nach seinem wahren, objektiven Sinn mit Norhwendigkeit, so und nicht anders auszulegen, schwindet. Dies ist eine Schattenseite in der geistigen Arbeit der älteren jüdischen Schulen, von welcher die Literatur der neueren, streng wissenschaftlichen Kommentare der Bibel sich deutlich. abhebt." — Schürer scheint es als einen Vorwurf zu meinen, wenn er in Lazarus' Darstellung Kant'sche und Herder'sche Ideen in den Anspruch auf Wiedergabe des echten Geistes gesetzestreuen Judenthums verflochten findet. Ja, schon über das „friedliche Nebeneinanderwohnen" Käntsscher und Herdersscher Ideen spricht er sich skeptisch aus. „Da (nach Lazarus, S. 115) das Sittengesetz in allen Menschen identisch ist, so bleibt es räthselhaft, wie der Verfasser von einer jüdischen Ethik, welche ein Erzeugniß des jüdischen Volksgeistes sein soll, sprechen kann." Gewiß bedeutet Herders Betonung der ethnologischen Differenzierung einen Fortschritt gegenüber dem Kantsschen Dogma von der allgemeinen gleichen menschlichen Vernunftanlage. Herder ist ein Prophet des geschichtlichen Sinnes, der im 19. Jahrhundert in der Wissenschaft, auch der Ethik, den Sieg errungen hat über die Nachwirkungen des englischen Deismus und der Nousseausschen Ideen vom allgemeinen gleichen Naturzustände der Menschheit. Und gerade Lazarus hat das Verdienst, aus der Beobachtung der Völkerindividualitäten einen eigenen Wissenschaftszweig geschaffen und ausgestaltet zu haben. In gewissem Sinne mag ja der Begriff der Volksseele eine Abstraktion

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