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Im deutschen Reich · 1899-09-01 · Heft 9 (September 1899) · p. 509

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 9 (September 1899)
Article
Lazarus, Prof. Dr. M., [Rezension]
Date
1899-09-01
Page
509 (sequence 8)
Language
German
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Bücherschau. 50& nachprophetischen, rabbinischen, Lalmudischen Judentums mit den idealen Postulaten, die Lazarus für seine „jüdische Ethik" formuliert, nicht übereinstimme. Er bezweifelt, ob ein Eintreten für das gesetzliche Judenthum vereinbar sei mit Grundsätzen, wie sie Lazarus in folgenden Worten ausspricht: „Der menschliche Geist stellt, unabhängig von jeder äußeren Macht und von jedem fremden Einfluß, also völlig autonom, Sittengesetze auf; er thut dies, weil es seiner inneren Natur, seinem Wesen entspricht, aber dieses sein Wesen, seine Natur ist nicht aus ihm selbst, er hat es nicht geschaffen, das ist nicht das Erzeugniß seines Willens und seiner Freiheit, sondern einer gegebenen Nothwendigkeit. Das Sittengesetz ist autonom, weil es aus dem Wesen des menschlichen Geistes aus ihm allein stammt (S. 103 f.). „Das, worauf es hier allein ankommt, ist, daß durch die Autonomie jeder fremde Wille, jede äußere Macht und jeder sonstige Beweggrund von der Schöpfung der Sittlichkeit ferngehalten werde" (104). Der Grund des Sittlichen liegt in der Natur des Menschen und im Wesen der Sittlichkeit selbst. In der Natur des Menschen; dieser findet in sich, als eine unleugbare und untrennbare Thatsache^ den Trieb zum Guten. Wie der Mensch Licht und Finsterniß mit unausweichlicher Nothwendigkeit unterscheidet, so unterscheidet er auch zwischen gut und böse; und wie der Vorzug des Lichtes, ist ihm auch der des Guten unzweifelhaft" (115). Der Anerkennung, daß das ältere Judenthum partikularistisch war, stellt Lazarus die Behauptung gegenüber, alle Völker seien partikularistisch gewesen, aber darüber weise hinaus „der in der gesammten Gedankenwelt des Judenthums gleichmäßig verbreitete Gedanke von der für alle Menschen allgemein bestehenden ethischen Verpflichtung, ausgleichenden Verheißung und idealen Hoffnung" (166). „Der Weg zum Heil in diesem, zur Seligkeit im künftigen Leben steht nach der rabbinischen Lehre allen Menschen offen, und es bedarf keiner religiösen Uebung, keines Tempels und keines Opferdienstes, um das Ziel zu erreichen, sondern nur der sittlichen Läuterung und liebreichen Gesinnung" (157). — Daß zwischen diesen Grundsätzen und gewissen archaistischen Lehren und Gebräuchen unvereinbare Gegensätze bestehen, ist unleugbar; Gleiches gilt von allen Religionen, auch von der vielgestaltigen katholischen Tradition im Vergleich zum geltenden Dogma. Aber wie alle lebendigen Religionen, so hat auch das Judenthum ein Recht zwischen dem Vergänglichen und Bleibenden in Kult. und Sitte, zwischen Dogma und Glaube, zwischen ethischer Norm und zeitweiliger Ausprägung, zwischen Geist und Buchstaben zu unterscheiden. — Wenn Alles, was je von einer jüdischen Autorität gelehrt, was je von

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