Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- Lazarus, Prof. Dr. M., [Rezension]
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 507 (sequence 6)
- Language
- German
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Bücherschau. 507 indirekt eine Wirkung beS alttestamentlichen Monotheismus. Noch däS zur Neige gehende Jahrhundert hat in der Hegel-Schelling'schen Religionsphilosophie mit ihrer spekulativen Ausbeutung der Trinitätslehre, welche gleichsam den Speck bildete, durch den mancher kluge theologische Dogmatiker in die Mausefalle hemiorthodoxer vermittelungstheologifcher Apologetik gelockt wurde, einen Nachhall jenes heidenchristlichen Gnostizismus gezeitigt. Und auch von dem Gegenstück fehlt es nicht an Proben: dem antisemitischen Zuge der Zeit entspricht jener marcionitische Antinomismus, der vermeint zwischen dem Gott der Juden und dem Gott der Christen einen mehr als subjektiv-phänomenologischen Unterschied machen zu müssen. Man hat auch in Luther's Theologie AntinomismuS finden wollen; aber durch Johann Agricola's Uebertreibungen gewarnt, hat Luther jeden dahingehenden Zug abgestreift. Er hat dem Dekalos die erste Stelle im Katechismus gegeben, und gerade das Wort aus der Thora, welches man als besonderes Kennzeichen jüdischer Gesetzlichkeit anzuführen pflegt, hat Luther in der Vorrede zum großen Katechismus den Lehrern der Religion eindringlichst e'mgeschärft: „Und ob solches nicht genug wäre zur Vermahnung, den Katechismus täglich zu lesen, so sollte doch uns allein genugsam zwingen Gottes Gebot, welches 5. Mos. 6, 7 ff. ernstlich gebietet, daß man soll sein Gebot sitzend, gehend, stehend, liegend, aufstehend immer bedenlen und gleich als ein stetiges Mal und Zeichen vor Augen und in Händen haben." „Denn das muß ja sein: Wer die zehn Gebote wohl und gar kann, daß der die ganze Schrift könne, daß er könne in allen Sachen und Fällen rathen, helfen, trösten, urtheilen, richten, beides, geistliches und weltliches Wesen, und möge sein ein Richter über alle Lehre, Stände, Geister, Recht und was in der Welt sein mag. Und was ist der ganzePsalter, denn eitel Gedanken und Uebung des ersten Gebotes?" Diesen Ausspruch Luther's möchten doch diejenigen bedenken, die da meinen, Judenthum und Judenthum sei ein Unterschied; Psalmen und Propheten dürften nicht mit der Thora auf eine Stufe gestellt werden; in manchen Propheten sei schon ein latentes Christenthum zu spüren, in der Thora hingegen sei die Wurzel der späteren rabbinischen Vergötterung des Buchstabens, der seltsamen allegorischen Exzesse zu suchen, u. A. Auch Schürer meint, es laffe sich zwar in dem gesetzlichen Judenthum, welches durch das priesterliche Gesetz des Alten Testaments begründet worden sei und im Talmud seine klassische Ausprägung gefunden habe, eine gewiffe Jahrhunderte hindurch beharrlich gebliebene Einheit Nachweisen. „Faßt man aber, wie vom Verfasser geschieht, den Begriff