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Im deutschen Reich · 1899-09-01 · Heft 9 (September 1899) · p. 506

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 9 (September 1899)
Article
Lazarus, Prof. Dr. M., [Rezension]
Date
1899-09-01
Page
506 (sequence 5)
Language
German
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606 Im deutschen Reich. artiger Elemente zu rechnen gehabt hat, die aber trotzdem ihren Grundcharakter treu bewahren konnten und immer noch können. Wenn also Lazarus in seiner geschichtlichen, H. Cohen und Steinthal in ihren thetischen Darstellungen beispielsweise der Kantischen Lehre von der Autonomie gewisse Züge entlehnen, die sich den Auffassungen des gesetzlichen Judenthums harmonisch einfügen und deshalb als willkommene Interpretation dienen, um dem immer schon vorhandenen Grundgedanken einen neuen, allen verständlichen, dem Zusammenhänge zwischen Gegenwart und Vergangenheit gerecht werdenden Ausdruck zu geben, so ist das kein Abfall von der Treue gegen das Alte, Ursprüngliche. Wollte man das trotzdem behaupten, so wäre doch vor Allem zu bedenken, daß manche evangelisch-christliche Theologen den Kantianern ebenso wie den Katholiken der Vorwurf eines „Rückfalles in den Judaismus" gemacht haben; in Wahrheit darf man sagen: Kant hat gewisse ewig denkwürdige Wahrheiten des MosaismuS, die dem seichten Aufklärungszeitalter schier abhanden zu kommen drohten, mit Erfolg wieder auf den Leuchter gestellt. Das grundlegende „Du kannst, denn Du sollst", diesen kategorischen Imperativ, der nach Hr. Treitschke's Ausspruch als unsichtbarer gepanzerter Genius mitten unter den märkischen Bauernburschen focht, die bei Großbeeren und Dennewitz dem deutschen Volke die Wiedergeburt erstritten, ihn können die Vertreter des Judenthums mit geschichtlichem Recht getrost als aus ihrer Religionsurkunde geflossen in Anspruch nehmen. Es wäre recht einseitig und sehr ungeschichtlich, wenn man den thatsächlichen Einfluß des Judenthums auf die moderne Humanitätsidee immer nur durch gewisse individuelle Eingangspforten oder antiquierte Kanäle vermittelt denken wollte — Maimonides, Spinoza, Mendelssohn u. s. w. und das innere Fortwirken der in den Urkunden und Gewohnheiten des Vorchristenthums veranlagten Motive unbeachtet ließ. Gerade diejenige theologische Richtung der Gegenwart, welcher Schürer nahesteht, die Ritschl'sche Theologie, hat in dem Eindringen des Hellenismus in dem Vorchristenthum mehr als billig eine Verfälschung des Christlichen sehen wollen; aber das darf man zugeben: fast zu allen Zeiten hat es im Christenthum gegenüber einer verwirklichenden, sei es mehr epikuräisch-realistischen oder mehr idealistischen, spekulativen, intellektualistisch - ästhetischen Tendenz eine heilsame Rückzugsbewegung gegeben, welche im Widerspruch gegen die Verflachung, Verflüchtigung, Verweltlichung, kurz gegen den Paganismus — die Reinheit des Glaubens an den Einen persönlichen Gott, die Reinheit des Sittengesetzes, seinen Ernst und seine Heiligkeit geltend zu machen versuchte: und das ist direkt oder

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